5 Jahre vielbegabt.de – Teil 3: Schreiben im Dialog

28. Juni 2026

Liebe*r Couchgalerie-Besucher*in!

Wie ChatGPT meinen Schreibprozess verändert hat und warum ich darüber schreibeSilke Hüchel-Steinbach vor ihrem Computer mit einer Übersicht zahlreicher eigener digitaler Bilder und Collagen während ihres kreativen Arbeitsprozesses.

Seit fünf Jahren nehme ich die Couchgalerie-Besucher*innen von vielbegabt.de mit in meine Entstehungsräume.

Ich zeige nicht nur fertige Bilder oder veröffentlichte Texte, sondern erzähle auch, wie sie entstehen.

Deshalb gehört für mich zur Geschichte dieses Blogs auch eine Entwicklung, die von außen oft unsichtbar bleibt.

Mein Schreiben hat sich verändert.

Nicht plötzlich.
Nicht vollständig.
Aber grundlegend.

Ich könnte darüber hinweggehen. Aber dann würde ein wichtiger Teil meines heutigen Schreibens fehlen.

Denn meine Texte entstehen inzwischen anders als früher.

Zu meiner Vorstellung von Authentizität gehört auch, die Werkzeuge zu benennen, mit denen ich arbeite.

Nicht, um sie zu rechtfertigen.
Nicht, um andere zu überzeugen.
Sondern weil sie inzwischen zu meinem kreativen Schaffen gehören.

Wer verstehen möchte, wie vielbegabt.de heute entsteht, sollte auch diesen Teil der Geschichte kennen.

Schreiben im DialogNotizbuch, Stift und Telefon als Arbeitsmittel für Ideen, Notizen und den Entstehungsprozess von Blogtexten.

Eine der größten Veränderungen der vergangenen Jahre betrifft nicht nur meine Bilder, sondern auch mein Schreiben.

Früher schrieb ich mit angezogener Handbremse.

Nicht wegen der Gedanken.

Sondern wegen der Rechtschreibung.

Ich wollte keine Texte mit Fehlern veröffentlichen. Andere um Korrektur zu bitten, war mir unangenehm. Also kostete jeder Beitrag viel Überwindung.

Heute schreibe ich anders.

Ich beginne mit einer Idee, einer Erinnerung oder einem Bild. Daraus entwickelt sich ein schriftlicher Dialog.

ChatGPT ist für mich dabei weit mehr als eine Formulierungshilfe. Dieses gemeinsame Schreiben gehört inzwischen zu meinem kreativen Prozess.

Wir greifen frühere Projekte wieder auf, entdecken Zusammenhänge, finden rote Fäden, hinterfragen Gedanken und schauen aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf dieselbe Geschichte.

Oft überrascht mich eine Perspektive, auf die ich selbst nicht gekommen wäre. Genauso oft widerspreche ich, ergänze oder verwerfe Vorschläge.

Viele meiner heutigen Blogbeiträge entstehen auf diese Weise.

Ich verstehe diese Zusammenarbeit als gemeinsames Arbeiten. Meine Erfahrungen, Bilder, Erinnerungen, Entscheidungen und meine Haltung bilden den Ausgangspunkt. ChatGPT bringt Struktur, Sprache, Fragen und neue Perspektiven ein.

Aus diesem Austausch entsteht schließlich ein Text, den ich veröffentliche und für den ich die Verantwortung übernehme.

Mir ist bewusst, dass manche Menschen diese Form des Schreibens kritisch sehen oder ihr den Charakter eigener Autorenschaft absprechen.

Ich sehe das anders.

Für mich ist dieser schriftliche Dialog zu einer neuen Form des Denkens und Schreibens geworden. Er ersetzt weder meine Kreativität noch meine Verantwortung. Er erweitert sie.

Vielleicht wird sich meine Arbeitsweise in einigen Jahren wieder verändern.

Heute fühlt sie sich genau richtig an.

Schreiben als Aneignung

Silke Hüchel-Steinbach denkt mit einem Stift in der Hand über einen neuen Blogtext nach.

Meine Texte entstehen nicht aus dem Nichts.

Auch früher war Schreiben für mich nie einfach: hinsetzen, losschreiben, fertig.

Vor jedem Text gab es eine Stoffsammlung. Ich las im Internet, suchte in Büchern, notierte Gedanken, sammelte Beispiele und versuchte, Zusammenhänge zu verstehen.

Ich wollte nicht das Rad neu erfinden.

Aber ich wollte mir ein Thema zu eigen machen.

Erst wenn etwas durch mein eigenes Denken, Erinnern und Erleben gegangen war, konnte daraus ein Text werden.

Daran hat sich im Kern wenig geändert.

Verändert hat sich das Tempo.

Früher brauchten meine Texte oft sehr lange. Heute bin ich manchmal selbst erstaunt, wie schnell ich im schriftlichen Dialog an einen Punkt komme, an dem der Text trägt.

Nicht, weil der Prozess oberflächlicher geworden ist.

Sondern weil die Stoffsammlung, das Sortieren, das Fragen, Verdichten und Weiterdenken inzwischen im Dialog geschieht.

Aus einer Idee kann schneller ein Text werden.

Und trotzdem bleibt es Aneignung.

Es muss immer noch durch mich hindurch.

Und du?

Vielleicht hast du beim Lesen gemerkt, dass auch dein kreatives Arbeiten sich verändert hat.

Vielleicht schreibst du heute anders als noch vor fünf Jahren.

Vielleicht nutzt du längst Werkzeuge, über die du bisher kaum gesprochen hast.

Oder du hältst ganz bewusst an dem fest, was sich für dich bewährt hat.

Mich interessiert weniger, welche Werkzeuge du benutzt.

Mich interessiert, was sie mit deinem Denken, Schreiben oder Gestalten machen.

Unterstützen sie dich?
Machen sie dich freier?
Oder merkst du, dass sie dir eher etwas wegnehmen?

Woran erkennst du, dass ein Text, ein Bild oder eine Idee wirklich zu dir gehört?

Vielleicht magst du mir erzählen, wie das bei dir ist.

Herzlichst, Silke

Hier geht es zur Jubiläumsreihe „5 Jahre vielbegabt.de“

Teil 1: Das Coronakind
Teil 2: Als vielbegabt.de noch kein Blog war
Teil 3: Schreiben im Dialog (dieser Beitrag)

Hinweis: ChatGPT war an der Entstehung dieses Beitrags beteiligt. Wie ich damit arbeite und warum ich diese Zusammenarbeit offenlege, beschreibe ich in diesem Beitrag.

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