5 Jahre vielbegabt.de – Teil 2: Als vielbegabt.de noch kein Blog war
26. Juni 2026
Liebe*r Couchgalerie-Besucher*in!
Im ersten Teil der Jubiläumsserie habe ich erzählt, warum vielbegabt.de ein Coronakind ist: entstanden aus einer Zeit der Kontaktbeschränkungen, aus dem Versuch, Supervision und Beratung online neu zu denken, aus Strategiecoaching, Sichtbarkeit, Ernüchterung und der Erkenntnis, dass nicht jedes berührende Thema automatisch ein tragfähiges Geschäftsmodell ist.
Dieser zweite Teil erzählt davon, was danach geschah. Denn zwischen der Registrierung der Domain „vielbegabt.de“ und dem ersten veröffentlichten Blogbeitrag lag ein ganzes Jahr.
Ein Jahr, in dem die Seite schon existierte – aber noch nicht wirklich lebte.
Ein Name ist noch kein Blog
Vielbegabt.de war da.
Als registrierte Domain. Als Möglichkeit. Als noch unbewohnter Raum im Netz.
Aber eine Domain ist noch kein Blog. Sie ist eher wie ein leeres Haus: Die Adresse gibt es schon, vielleicht sogar die Tür. Aber innen ist noch nichts eingerichtet. Keine Bilder an den Wänden, keine Texte auf dem Tisch, keine Spuren gelebten Lebens.
Nach dem Ende des Strategiecoachings im Sommer 2020 war ich zwar aus dieser Verbindlichkeit heraus, aber noch längst nicht angekommen. Ich hatte nicht plötzlich Klarheit. Ich hatte keinen fertigen Plan.
Und ich hatte auch kein fertiges Online-Angebot als Mentorin für Vielbegabte erstellt.
Was ich aber hatte, war mein Thema gefunden: Vielbegabung.
Ich hatte erlebt, dass meine Texte und Gedanken bei anderen Menschen etwas auslösten. Dass sie sich wiedererkannten. Dass sie aufhörten, an sich und ihrem Sosein zu zweifeln. Dass es Wirkung gab – auch wenn daraus kein klassisches Angebot wurde.
Vielleicht war das der erste Hinweis darauf, dass vielbegabt.de nicht meine Verkaufsseite werden würde.
Sondern etwas anderes.
Zwei parallele Stränge

Beruflich fand ich als Supervisorin nach und nach wieder ins Arbeiten zurück. Anfangs online, später mit Maske – und irgendwann war diese Zeit überstanden.
Meine Kundinnen und Kunden für Supervision kamen allerdings nie über Social Media. Das lief über Kontakte, Empfehlungen und gewachsene berufliche Zusammenhänge.
Damit wurden zwei Stränge sichtbar: meine berufliche Arbeit als Supervisorin auf der einen Seite und meine Sichtbarkeit mit dem Thema Vielbegabung auf der anderen.
Über Facebook und Instagram wollte ich nicht in erster Linie Kundinnen gewinnen. Ich wollte zeigen, wie ich Vielbegabung verstehe, wie ich damit lebe und welche Spuren sie in meinem Denken, Gestalten und Schreiben hinterlässt.
Und dafür waren die sozialen Medien anfangs eine herrliche Spielwiese.
Ich konnte ausprobieren, schreiben, gestalten, posten, reagieren, sichtbar werden. Ich konnte mein Thema in die Welt bringen, ohne gleich ein fertiges Angebot daraus machen zu müssen.
Vorweggenommen: Als mir diese Sichtbarkeit später vor allem gegen Geld versprochen wurde, stieg ich im April 2025 aus den sozialen Medien aus. Meine Energie war danach für den Blog da und verpuffte nicht länger in Facebook und Instagram. Beste Entscheidung überhaupt.
Aber 2020 war ich noch mitten in dieser Online-Spielwiese unterwegs.
Ich blieb online unterwegs

Nach dem Coaching stieg ich nicht einfach aus allem aus.
Ich blieb online unterwegs. Ich lebte weiter Sichtbarkeit, nahm an Kursen teil, probierte mich aus, lernte, beobachtete, schrieb, suchte und sammelte.
Im Juli 2020 begann der Beta-Kurs „Let’s Fokus“ von Juli Mack. Dort lernte ich Korina kennen. Dieser Kontakt wurde später noch wichtig, denn über sie kam ich vermutlich zu den Blogkursen, mit denen vielbegabt.de schließlich ins Veröffentlichen kam.
Ich surfte damals auf einer ganzen Beta-Kurs-Welle mit.
Es gab Kurse zu Atmen, Clownin sein, Aufräumen, TCM und Hitzewelle, Finanzen, Neurographik, Mixed Media, unzählige Kreativangebote, Englisch lernen, Gartenbau, Onlinekurse selbst erstellen … Vieles gleichzeitig und mancher Betakurs mündete in eine anschließendes Coaching auf Zeit. Mit mir als Kundin.
Rückblickend klingt das nach viel.
War es auch.
Und es war typisch vielbegabt.
Ich suchte Fokus – und landete in immer neuen Impulsen. Ich wollte mich sortieren – und sammelte weitere Methoden, Ideen, Kontakte und Möglichkeiten. Ich wollte Klarheit – und bewegte mich durch ein Feld voller Angebote, Versprechen, Formate und Einladungen.
Das war nicht nur Zerstreuung.
Es war auch Materialsammlung.
Ich lernte, worauf ich reagiere. Was mich anzieht. Was mich anstrengt. Was mir hilft. Was mir zu eng wird. Was mich nährt. Und was mir nur wieder ein neues Versprechen verkauft.
Beruflich in der Findungsphase
In dieser Inkubationszeit befand ich mich auch beruflich weiter in einer Findungsphase.
Ich hatte inzwischen einen ganzen Haufen Ausbildungen, Fortbildungen und berufliche Identitäten gesammelt. Erzieherin. Kita-Leitung. Elterncoach. Systemische Beraterin und Therapeutin. Heilpraktikerin für Psychotherapie. Traumapädagogin. Und vieles davon hatte einmal gestimmt oder war zumindest eine naheliegende Spur gewesen.
Aber zusammen zerfaserte es mich.
Ich versuchte nicht mehr, alles unter einen Hut zu bekommen. Genau das war ja auch ein Teil des Problems: noch eine Rolle, noch eine Möglichkeit, noch ein Etikett, noch ein Angebot.
Im Fokus-Coaching mit Julia Mack von Januar bis April 2021 ging es deshalb nicht darum, alles miteinander zu verbinden. Es ging darum, mich klarer zu spezialisieren.
Ich entschied mich für Supervision.
Und zwar für Supervision mit Menschen aus meinem ehemaligen Berufsfeld.
Das war eine wichtige berufliche Klärung. Ich ließ andere berufliche Identitäten endlich los. Nicht, weil sie falsch gewesen wären. Sondern weil sie nicht mehr alle gleichzeitig getragen werden mussten.
Damals hieß meine Praxis noch „Praxis für ein gelingendes Leben“. Auch dieser Name trug vieles in sich: Beratung, Begleitung, Entwicklung, Lebensgestaltung. Aber er war weit und dadurch auch etwas unklar.
Später wurde daraus SupervisionPlus.
Dieser Name passt bis heute besser zu mir. Supervision ist der Kern meiner beruflichen Arbeit. Und das Plus steht dafür, dass es bei mir eben oft etwas mehr gibt: mehr biografischen Blick, mehr Mustererkennen, mehr Kreativität, mehr Verbindungslinien, mehr Erfahrung aus verschiedenen beruflichen Rollen.
Meine berufliche Seite www.huechel-steinbach.de gab es zu diesem Zeitpunkt bereits. Die Klärung lag also nicht darin, dafür erst ein Zuhause zu schaffen, sondern deutlicher zu unterscheiden: Dort meine berufliche Arbeit als Supervisorin. Hier auf vielbegabt.de mein künstlerisch-biografisches Bloghaus.
Auch diese Unterscheidung war eine Vorbereitung auf vielbegabt.de.
Denn vielbegabt.de musste nicht meine berufliche Praxis ersetzen. Und meine Praxis musste nicht alle meine kreativen, biografischen und künstlerischen Themen tragen.
Schreiben lernen, obwohl ich schon schreiben konnte
Im August 2020 kaufte ich den Besserschreiber-Kurs bei Marike Frick. Ein hochpreisiger Selbstlernkurs für die Schublade – ein echtes Erfolgsmodell. Was hatte ich denn erwartet?
Ich konnte schreiben. Ich hatte immer geschrieben. Ich hatte von 2009 bis 2013 bereits meinen Textilkunstblog www.weibsbeutel.de geführt. Dort hatte ich schon einmal erlebt, was Bloggen für mich sein kann: ein Ort für eigene Arbeiten, Prozesse, Gedanken, Bilder und Entwicklung.

Ich war also keine Anfängerin.
Und trotzdem kaufte ich einen Schreibkurs.
Vielleicht musste ich nicht schreiben lernen. Vielleicht musste ich nur wieder begreifen, dass Schreiben mein Weg ist.
Boom Boom Blog
Im April 2021 kam dann die eigentliche Wende.

Ich meldete mich für „Boom Boom Blog“ an. Sieben Tage Bloggen mit Judith Peters. Es war eine Empfehlung von Korina.
Und plötzlich wurde aus dem unbewohnten Raum vielbegabt.de ein Ort, an dem tatsächlich etwas erscheinen konnte.
Nicht perfekt. Nicht fertig. Nicht als großes Konzept.
Sondern als erster Schritt.
Im Mai 2021 folgte „The Blog Bang“, ein achtwöchiges Programm.
Damit war ich endgültig wieder beim Bloggen angekommen.
Mein erster Beitrag
Am 7. Juni 2021 veröffentlichte ich meinen ersten Beitrag auf vielbegabt.de: Mein Monatsrückblick Mai 2021.
Damit wurde aus dem gekauften Namen eine Seite mit Inhalt. Aus dem leeren Haus wurde ein bewohnter Ort.
Dass es ein Monatsrückblick war, passt bis heute. Ich sammle, ordne, verbinde und erkenne Zusammenhänge oft erst im Nachhinein.
Der erste Beitrag zeigte also bereits etwas von dem, was vielbegabt.de später werden sollte: ein Ort des Sammelns, Erinnerns, Sortierens und Sichtbarmachens.
Vom Angebot zum Bloghaus
Im ersten Jahr war vielbegabt.de noch lose mit der Idee verbunden, Mentorin für Vielbegabte zu sein.
Aber ein fertiges Angebot war daraus nicht geworden.
Irgendwann verschwand auch diese Spur.
Nicht plötzlich. Nicht dramatisch. Eher folgerichtig.
Denn immer deutlicher wurde: Ich brauche nicht noch ein Angebot, das ich verkaufen muss. Ich brauche einen Ort, an dem ich schreiben kann. Einen Ort, an dem ich Bilder zeigen, Prozesse dokumentieren, Spuren sammeln und innere wie äußere Bewegungen sichtbar machen kann.
Vielbegabt.de wurde nicht meine Verkaufsseite.
Vielbegabt.de wurde mein Bloghaus.
Ein künstlerisch-biografischer Ort im Netz. Eine Couchgalerie. Ein Archiv meiner Vielbegabung. Ein Raum für Texte, Bilder, Serien, Erinnerungen und kreative Verwandlungen.
Das alles war am 7. Juni 2021 noch nicht fertig erkennbar.
Aber der Anfang war gemacht.
Was danach weiterging
Nach dem ersten Beitrag kamen weitere Spuren dazu.
Ab April 2022 dokumentierte ich meine erste Serie: #malenimwald.

Im April 2024 kamen mit #ES – die vielbegabte Gliederpuppe und dem Thema KI neue Dimensionen dazu.

ES gab es schon lange vorher. Im Juni 2019 begann die Figur als 61-Tage-Challenge. 44 Bilder entstanden damals handgemalt. Dann folgte eine lange Pause.
Im Januar 2024 kehrte ES mit Hilfe von KI-Bildgeneratoren zurück – zunächst als Experiment, später als eigene neue Bildwelt. Veröffentlicht wurde diese Fortsetzung ab April 2024.
Wie KI mein Arbeiten, meine Bildserien und auch meinen Schreibprozess verändert hat, erzähle ich im dritten Teil dieser Jubiläumsreihe.
Abschied von den sozialen Medien
Im März 2025 kündigte ich meinen Abschied aus den sozialen Medien an, im April vollzog ich ihn dann tatsächlich.
Es war kein Abschied vom Schreiben oder vom Austausch mit anderen Menschen. Im Gegenteil.
Ich wollte meine Zeit und Energie nicht länger in Plattformen investieren, auf denen meine Beiträge immer weniger Menschen erreichten – es sei denn, ich bezahlte dafür. Stattdessen wollte ich an einem Ort schreiben, der mir gehört.
Rückblickend war das einer der wichtigsten Schritte in der Entwicklung des Blogs.
Statt kurze Inhalte für Facebook oder Instagram zu schreiben, floss meine Energie nun in vielbegabt.de.
So entstanden innerhalb eines Jahres mehr als 60 neue Blogbeiträge.
Nicht, weil der Tag plötzlich mehr Stunden hatte.
Sondern weil keine Zeit mehr im Scrollen, Warten auf Resonanz und Konsumieren sinnentleerter Inhalte versickerte.
Diese freie Energie floss nun in meinen eigenen Ort: vielbegabt.de.
Fünf Jahre später

Im Juni 2026 wird vielbegabt.de fünf Jahre alt.
Wenn ich heute auf dieses erste Jahr zurückblicke – von der Idee bis zum ersten veröffentlichten Beitrag –, dann sehe ich keine gerade Linie.
Ich sehe Suchbewegungen. Kurse. Investitionen. Umwege. Irritationen. Kontakte. Texte. Berufliche Klärung. Alte Bloggerfahrung. Neue Formate. Und schließlich den Mut, einfach anzufangen.
Ein Jahr Inkubationszeit.
Ein Jahr, in dem vielbegabt.de noch kein Blog war, aber längst auf dem Weg zu seinem eigenen Wesen.
Heute ist vielbegabt.de meine Couchgalerie.
Kein fertiges Konzept, sondern ein gewachsener Ort für Bilder, Texte, Serien, Erinnerungen und kreative Verwandlungen.
Nicht das geplante Online-Business wurde tragfähig.
Tragfähig wurde der Blog.
Ich mache es mir hier nun im Bloghaus bequem – und du bist herzlich eingeladen, in meiner Couchgalerie Platz zu nehmen.
Schau dich um, bleib ein wenig, folge den Spuren, Lebensfäden und Resonanzräumen.
Genau das möchte ich mit diesem Jubiläum feiern.
Herzlichst,
Silke