Silke hat mehr als einen Vogel – weiße Vögel

18. April 2026

Drei weiße Gänse vor orangefarbenem Sanddorn in einem verfremdeten KI-Bild

Liebe*r Couchgalerie-Besucher*in!

Nach den Tauben richte ich den Blick nun auf weitere weiße Vögel, die in meinen Bildern auftauchen. Dieser Beitrag gehört zur Reihe „Silke hat mehr als einen Vogel“. Möwen, Ente, Reiher und Gänse erscheinen darin auf ganz unterschiedliche Weise – als nachträglich hinzugefügte Figuren, als Begleiterin oder als Hauptdarsteller.

Möwen im Vorüberziehen

Als weitere weiße Vögel tauchen in meinen Bildern Möwen auf. Auch sie waren zunächst nicht das eigentliche Thema. Erst später habe ich sie hinzugefügt. Anders als Tauben wirken sie auf mich weniger nah und vertraut. Mit ihnen kommt etwas Freieres ins Bild, etwas, das nicht bleibt, sondern auftaucht und weiterzieht.

Collage Nr.17/22: Abendstimmung am Fenster (2023)

aus: Collagen-Projekt: 100x mache ich mir ein anderes Bild

Diese Collage entstand aus Katalogen und einer Zeitschrift. Ich mag die erzeugte Abendstimmung. Das Bild wirkt ruhig, entspannt und in sich gesammelt. Die Frau sitzt am Fenster, der Raum bleibt offen, und auch der Blick nach draußen hat etwas Stilles.

Die Möwe wurde später hinzugefügt. Zunächst stand etwas anderes im Vordergrund. Mit ihr kommt eine leichte Bewegung ins Bild. Sie erscheint draußen vor dem Fenster, eher beiläufig als bedeutungsschwer. Als Möwe öffnet sie den Blick nach außen und bringt etwas Vorüberziehendes in die Szene.

Collage mit ruhender Frau am Fenster und Kaktus; vor dem Fenster fliegt ein grauweißer, möwenartiger Vogel

#ES 92/100 schaukelt (2024)

In dieser surrealen Szene schaukelt #ES, die vielbegabte Gliederpuppe, über einem atemberaubenden Abgrund. Der Himmel und die Schaukel verleihen dem Bild eine traumhafte, schwerelose Stimmung. Auf ihrem Schoß liegt ihre Französische Bulldogge, die ruhig mitschaukelt.

Die weiße Möwe habe ich später hinzugefügt. Auch hier stand etwas anderes im Vordergrund. Mit ihr kommt eine weitere Bewegung ins Bild: etwas Freies, Vorüberziehendes, das die Szene streift und den Blick in die Weite lenkt. Als Möwe bringt sie weniger Frieden als Luft, Offenheit und Unterwegssein ins Bild. Sie wirkt wie ein Wesen, das nicht bleibt, sondern kommt und weiterzieht.

Holzfigur mit Hund auf einer Schaukel vor hellem Himmel; rechts fliegt ein weißer, möwenartiger Vogel mit langen Flügeln

Nach den Möwen folgen zwei weitere weiße Vögel, die ihren Ursprung in Naturformen haben. Weder der Reiher noch die Ente waren dort schon erkennbar vorhanden. Erst später habe ich sie dazu erfunden und in die vorgefundenen Strukturen hineingezeichnet. So wurden aus Boden und Eis Begleittiere, die neben Mensch oder Tier auftreten.

Begleittiere aus Boden und Eis

#malenimwald 060/💯: My happy hippo (Sommer 2021)

aus: #malenimwald 051-060/100

Dieses Bild entstand im Rahmen von #malenimwald. Ausgangspunkt war eine vorgefundene Struktur am Boden, aus der später ein Nilpferd wurde. Der weiße Vogel war zunächst nicht vorhanden. Erst im weiteren Arbeiten habe ich ihn hinzugefügt.Unregelmäßige helle Bodenstruktur im Wald, die an die Form eines Tiers erinnert

So taucht hier ein Reiher auf – nicht als Hauptfigur, sondern als stiller Begleiter des Nilpferds. Das erscheint mir nicht abwegig, denn Reiher und große Tiere teilen sich an Gewässern oft denselben Lebensraum.

Der Reiher ist einer meiner Lieblingsvögel. Wann immer es möglich ist, fotografiere ich ihn. Ich mag seine Ruhe, seine Eleganz und diese besondere Art, einfach dazustehen, zu warten und zu beobachten. Gerade seine Präsenz macht ihn für mich so besonders.

Auch in diesem Bild bringt der Reiher etwas Leichtes und Wachsames mit hinein. In Wirklichkeit kann er allerdings auch recht laut und gar nicht schön schreien. Vielleicht mag ich ihn gerade deshalb: weil zu seiner Eleganz nicht nur Stille gehört, sondern auch etwas Raues und Eigenwilliges.

Zeichnerisch hervorgehobene Tiere basierend auf einer Waldstruktur

Mann und Ente 

aus: #frozenpuddlepicture (2022, bisher unveröffentlicht)

Dieses Bild gehört zu einer bisher unveröffentlichten Serie, die auf Fotos von gefrorenen Pfützen zurückgeht. Ausgangspunkt waren Strukturen im Eis, die ich fotografiert und später weiterbearbeitet habe. Die Ente war dort zunächst nicht vorhanden. Erst im weiteren Arbeiten habe ich sie als weißen Vogel hinzugefügt.

Gefrorene Pfütze mit hellen Eisstrukturen, die an ruhende Enten im Wasser erinnern

Enten verbinde ich nicht mit stiller Erhabenheit. Eher mit etwas Lautem, Witzigem und leicht Aufdringlichem. Sie wirken auf mich fordernd und präsent. Vielleicht schaut der Mann deshalb so genervt. Die Ente bringt Unruhe ins Bild – nicht bedrohlich, aber durchaus mit Nachdruck.

Stilisierter weißer Vogel, an eine Ente erinnernd, als Begleiter hinter einer Figur in einer künstlerischen Arbeit

Das ist schön, weil es den weißen Vogel hier mal anders zeigt:
nicht leicht und schwebend, sondern ziemlich deutlich da.

Weiter geht es mit den Gänsen. Anders als Möwen, Reiher oder Ente sind sie hier nicht nur Begleiter, sondern die Hauptdarsteller.

Die Sanddorn-Gänse (2025)

Drei weiße Gänse vor orangefarbenem Sanddorn in einem verfremdeten KI-Bild

Dieses KI-Bild entstand auf der Grundlage einer Pflanze, die von der KI weiter verfremdet wurde. Erst danach wurden ihr die Gänse zugedacht. Sie stehen also nicht am Anfang des Bildes, sondern haben es nachträglich übernommen.

Gänse mag ich sehr. Fast täglich sehe ich sie oder fahre auf unserem Weg in den Wald an ihnen vorbei. Dabei wird immer geschaut, ob noch alle da sind.

Nur einmal habe ich diese Gänse – oder ihre Vorgängerinnen – wirklich besucht. Sie standen auf einem Hangstück. Als sie mich bemerkten, kamen sie sofort auf mich zugestürmt, wie eine kleine Naturgewalt, offenbar in der Hoffnung auf Fressen. In diesem Moment war ich sehr dankbar für den Zaun.

Seitdem sehe ich sie nicht nur als schöne weiße Vögel. Sie haben Präsenz. Kraft. Lautstärke. Und sie treten sehr entschieden auf.

Im Winter habe ich außerdem entdeckt, dass Gänse gar nicht schneeweiß sind. Ihr Weiß hat Schattierungen, wirkt weicher, manchmal fast grau oder cremefarben. Vielleicht gehören sie auch deshalb so gut an den Schluss dieses Beitrags: weil sie das Weiß nicht nur zeigen, sondern genauer werden lassen.

Nach den Gänsen könnte dieser Beitrag enden.

Und doch bleibt da noch ein weißer Vogel, der für mich ein besonderes Gewicht hat: der Schwan.

Mein lieber Schwan (2010)

aus: Röcke mit Krafttieren auf www.weibsbeutel.de

Der Schwan hat unter den weißen Vögeln für mich eine besondere Stellung. Er taucht bei mir nicht nur im Bild auf, sondern auch auf einem Rock, den ich ihm gewidmet habe. Wenn du magst, lies dazu in meinem früheren Beitrag weiter: Mein lieber Schwan.

Schwarzer Rock mit appliziertem weißen Schwan und vier Eiern als Krafttier-Motiv

Detail eines schwarzen Rocks mit weißem Schwan und vier Eiern als Applikation

So unterschiedlich diese weißen Vögel auch sind – sie haben alle auf ihre Weise ihren Platz in meinen Bildern und in meinem Herzen gefunden.

Liebe*r Couchgalerie-Besucher*in!

Weiße Vögel sind mir also öfter begegnet, als ich zunächst dachte. Manche kamen erst später ins Bild, andere wurden zu Begleitern, wieder andere traten deutlich in den Vordergrund.

Welche weißen Vögel sind dir schon begegnet – in Bildern, in der Natur oder in deinen eigenen Vorstellungen?

Und vielleicht hat ja auch der Schwan für dich eine besondere Bedeutung.
Wenn du magst, lies dazu in meinem früheren Beitrag weiter: Mein lieber Schwan.

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