Behausung – eine Annäherung April 2026 | Wer behaust mich?
28. April 2026
Liebe*r Couchgalerie-Besucher*in!
Die Frage für diesen Monat war: Wer behaust mich?
Sie gehört zu meinem Jahresthema Behausung – eine Annäherung.
Und sie führt mich weg vom Außen – hin nach innen.
In der Arbeit mit inneren Anteilen wird oft vom „inneren Kind“ gesprochen – vielleicht das bekannteste Bild dafür. Ein Anteil, der frühe Erfahrungen trägt, Gefühle, die nicht einfach verschwinden.
Mit dieser Frage habe ich begonnen, Bildideen zu entwickeln und sie von der KI umsetzen zu lassen. Es entstanden zwei Bilder.
Erst danach habe ich dem Thema noch einmal nachgespürt. Seiner Entwicklung. Und auch meinem eigenen Unbehagen dabei.
Das innere Kind
Die folgenden Bilder zeigen keinen äußeren Raum.
Sie zeigen zwei mögliche Zustände.
Einmal angespannt, traurig, in sich zurückgezogen.
Und einmal gehalten, verbunden, lebendig.
Zustände im Inneren
Es ist derselbe Raum. Und doch ein anderer. Und es ist dieselbe Person – zu unterschiedlichen Zeiten.
Die Bilder zeigen Zustände und berühren etwas, das viele kennen, auch wenn es unterschiedlich benannt wird.
Oft wird dafür das Bild des „inneren Kindes“ verwendet.
Kurze Einordnung: Das innere Kind als Konzept
Die Vorstellung, dass wir verschiedene innere Anteile in uns tragen, ist nicht neu. In der Psychologie gab es dafür immer wieder unterschiedliche Modelle. Die Transaktionsanalyse von Eric Berne sprach zum Beispiel vom Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich und Kind-Ich. Später wurde das Bild vom „inneren Kind“ in Selbsterfahrung, Therapie und Ratgeberliteratur immer bekannter.
Heute ist das innere Kind fast überall präsent: in Büchern, Podcasts, Kursen und Social Media. In dem Streamingdienst, den ich nutze, gibt es eine Vielzahl von Hörangeboten – von unfreiwillig komisch bis berührend.
Das macht den Zugang leichter, birgt aber auch die Gefahr, dass ein hilfreiches Bild zu stark vereinfacht oder vermarktet wird.
Ich bin 1967 geboren. Das Thema „innere Anteile“ ist mir nicht einmal begegnet, sondern immer wieder – in unterschiedlichen Formen.
Früher eher am Rande, in therapeutischen oder selbsterfahrungsorientierten Kontexten. Später klarer benannt, zugänglicher, greifbarer.
Und heute fast überall.
Das „innere Kind“ ist zu einem bekannten Bild geworden.
Ich habe mich in verschiedenen Lebensphasen damit beschäftigt. Habe gelesen, ausprobiert, Begriffe übernommen – und auch wieder losgelassen.
Vielleicht gehört das dazu: dass sich nicht nur die Konzepte verändern, sondern auch der eigene Zugang dazu.
Was geblieben ist, ist diese Puppe, die ich mir für die Arbeit mit dem inneren Kind bewusst ausgesucht habe.

Was mich an diesem Konzept auch beschäftigt, ist etwas anderes.
Ich wende mich diesem inneren Bild zu, arbeite damit – und lasse es dann wieder liegen. Phasenweise. Unbeständig.
Manchmal frage ich mich, ob darin nicht auch etwas von dem liegt, was das Konzept eigentlich beschreiben will: eine Form von Vernachlässigung.
Ich benutze das Bild des inneren Kindes – und verlasse es wieder.

Manchmal fühlt sich das nicht wie Beg an, sondern wie eine Wiederholung von etwas, das ich eigentlich vermeiden wollte.
Liebe*r Couchgalerie-Besucher*in!
Du merkst vielleicht beim Lesen, dass ich mit diesem Text gerungen habe.
Mit dem Thema. Mit den Bildern. Mit meinem eigenen Zugang dazu.
Ich hätte es klarer machen können. Eindeutiger.
Aber genau das hätte für mich nicht gestimmt.
Vielleicht kennst du das auch:
Phasen, in denen du dich dir selbst zuwendest – und andere, in denen du dich wieder verlierst.
Vielleicht gibt es auch in dir Anteile, die Aufmerksamkeit suchen.
Nicht als Konzept. Nicht als Methode. Sondern einfach, weil sie da sind.
Und vielleicht stellt sich dann eine ähnliche Frage wie bei mir:
Wer behaust dich im Inneren?
Nicht als Aufgabe.
Nicht als etwas, das gelöst werden muss.
Sondern als etwas, das sich zeigt.
Mal näher. Mal weiter weg.
Ich merke für mich:
Ich bin darin nicht immer verlässlich.
Und vielleicht beginnt genau da etwas, das ehrlicher ist als jede Methode.