12 von 12 im Mai – Was lässt sich weglächeln und was nicht?
13. Mai 2026
Liebe*r Couchgalerie-Besucher*in!
Heute ist wieder #12von12: Am 12. eines Monats dokumentiere ich meinen Tag in 12 Bildern und verlinke meinen Beitrag bei Caro von Draußen nur Kännchen.
Dieser 12. Mai beginnt viel zu früh, mit einem wachen Kopf und einem Körper, der eigentlich noch ruhen möchte. Es wird ein Tag mit Hühnern, Scherben, Schreibtischzeit, Clownsbildern, Sofa, Hund und einem Unwohlsein, das sich erst am Nachmittag langsam löst. Also: 12 Bilder aus einem nicht ganz einfachen, aber trotzdem erzählenswerten Tag.
#12von12 im Mai 2026 – Was hilft, wenn der Tag schief beginnt?
01/12: Wie wird der Tag?
Ich bin wach. Der Körper will eigentlich noch ruhen, aber der Kopf dreht schon auf Hochtouren. Dieses frühe Wachsein trägt bereits ein Unwohlsein in sich, das mich durch den Tag begleiten wird.

02/12: Was ist das?
Um 5:40 Uhr geht die Sonne auf – und ich bin schon bei den Hühnern. Es sind gerade einmal zwei Grad, aber die frische Luft tut gut. Hulda beäugt neugierig das komische Ding vor ihr: ein Pickstein für stabile Eierschalen.
So ähnlich hatte auch der Postbote geschaut, denn der Stein war nicht besonders gut verpackt und bröselte aus dem Paket. Mir fiel spontan auch nicht ein, was ich da bestellt hatte. Zu unser beider Beruhigung packten wir es gemeinsam aus – und ich konnte den Boten beruhigen: Das geht so!

03/12: Echt jetzt?
Unser Küchenabfallglas haben wir draußen vergessen. Ich bringe es ins Haus – und lasse es dann im Flur fallen. Der Deckel, an dem ich es gehalten habe, hält leider doch nicht.

04/12: Wer tröstet mich?
Frustriert über die Scherben schlüpfe ich zu Mann und Hund ins Bett und finde Trost. Ganz nah, sehr warm – Schnauze und Ohr füllen fast das ganze Bild – und genau so fühlt sich Trost manchmal an.

05/12: Wie machst du das?
Zeit am Schreibtisch. Der Rest der Woche ist arbeitsfrei – und damit es sich auch wirklich so anfühlt, räume ich vorher noch ein paar Dinge ab.
Ich schicke meiner Supervisionskollegin Materialien zum institutionellen Kinderschutz, über den wir uns gestern im Intervisions-Zoom ausgetauscht haben. Dazu gehören auch Reflexionsfragen zum eigenen Erleben von Erziehung, Macht und Beteiligung. Ein Thema, das nachwirkt.

06/12: Hast du einen Vogel?
Dann mache ich meinen aktuellen Beitrag fertig und veröffentliche ihn: „Silke hat mehr als einen Vogel – die schwarzen Vögel“. Nach dem frühen Wachsein und dem Glasbruch passt dieses Bild mit den dunklen Vögeln irgendwie ziemlich gut in den Tag.

07/12: Kann das weg?
Und dann noch Planung rund um die Wintersachen. Ein handgeschriebener Zettel, Pfeile, Stichworte, kleine Smileys – aus dem Kopf aufs Papier, damit es übersichtlicher wird. Manchmal beginnt Aufräumen genau so – oder wird dann endlich mal fertig.

08/12: Was gibt es da zu lachen?
Bald wird klar: Weiter am PC zu sitzen fördert mein Wohlbefinden heute nicht. Also gehe ich raus, einkaufen – und fotografiere unterwegs dieses Clown-Plakat im Regen. Dazu habe ich schon eine Idee.

09/12: Was darf’s denn sein?
Beim Einkaufen landet spontan laktosefreier körniger Frischkäse im Korb. Zu Hause erinnere ich mich beim Auspacken an ein neues Rezept für ein Proteinbrot.

10/12: Was nährt mich?
Und dann setze ich es gleich um: ein Proteinbrot aus nur drei Zutaten. Noch warm, angeschnitten, goldbraun – und ein kleiner Gegenpol zu diesem etwas schräg gestarteten Tag.

11/12: Was guckst du?
Am frühen Nachmittag bringe ich den Hühnern Frischfutter. Das ist Hanni – eine der Zwillinge. Seit kurzem leben zwei Old English Fighters bei uns, die unsere beiden alten Hennen auf ganz unterschiedliche Weise herausfordern.
Als systemische Supervisorin für pädagogische Fachkräfte könnte ich hier stundenlang beobachten: Wie entsteht ein neues Gefüge, wenn zwei Jüngere dazukommen? Wer weicht aus, wer behauptet sich, wer testet Grenzen? Welche alten Rollen geraten ins Wanken, welche neuen Bündnisse entstehen? Bei den Hühnern ist das sehr direkt sichtbar – im Abstand, im Tempo, im Blick, im Zugriff aufs Futter. Und wie in Teams gilt auch hier: Eine Veränderung betrifft nie nur die „Neuen“, sondern immer das ganze System.
Als Supervisorin würde ich an manchen Stellen gern eingreifen, sortieren, moderieren, vielleicht sogar einen kleinen Reflexionsprozess anstoßen. Nur leider sind Hühner in dieser Hinsicht definitiv beratungsresistent.
Ob Hanni das Bild von sich gefallen würde? Ich bin nicht sicher. Die Kleine ist jedenfalls ziemlich gewitzt.

12/12:Was lässt sich weglächeln – und was nicht?
Den Nachmittag verbringe ich mit Lotte auf dem Sofa. Ich entspanne beim Hörbuchhören, starte mit einer Serie über China und greife dann das Clownsfoto vom Vormittag wieder auf.
Aus dem regennassen Clownsschild entsteht eine Clownin: weniger Jahrmarkt, mehr Porträt. Vielleicht auch ein kleines Gegenbild zum Tag – freundlich, schräg, wach und mit einem Lächeln, das nicht ganz eindeutig ist.
Das Unwohlsein lässt sich leider nicht weglächeln – aber das Triptan zeigt Wirkung.
Fotos habe ich genug, und ich lasse es für heute gut sein.
Liebe*r Couchgalerie-Besucher*in!
Dieser 12. Mai war kein leichter Tag. Einer dieser Tage, an denen der Kopf zu früh losläuft, der Körper nicht richtig hinterherkommt und dann auch noch ein Glas im Flur zerspringt.
Und trotzdem war da viel: frische Morgenluft bei den Hühnern, Trost mit Mann und Hund, ein bisschen Schreibtischklarheit, ein Einkaufsgang, frisch gebackenes Proteinbrot, Hühnerbeobachtungen, Sofa-Zeit mit Lotte und am Ende sogar eine Clownin, die aus dem Regen auftaucht.
Das ist der Wert von #12von12: Nicht nur die schönen, glatten Tage festzuhalten, sondern auch die schiefen. Die Tage, die nicht rund laufen und trotzdem kleine Momente haben, die tragen.
Für heute reicht es. Ich lasse es gut sein.