Behausung – eine Annäherung| Juni 2026: Mein Bloghaus
19. Juni 2026
Liebe*r Couchgalerie-Besucher*in!
Es ist Mitte Juni, und mein monatlicher Beitrag zur Behausung steht an. Lange hatte ich keine richtige Idee. Kein Haus, keine Hütte, kein Nest, keine Höhle drängte sich auf.
Bis mir auffiel: Vielleicht ist die Behausung diesmal längst da.
Mein Blog.
Seit fünf Jahren gibt es vielbegabt.de nun schon. Fünf Jahre, in denen ich hier geschrieben, gesammelt, sortiert, verwandelt, erinnert, ausprobiert und sichtbar gemacht habe. Aus einzelnen Beiträgen ist mit der Zeit ein ganz eigenes Haus entstanden: mein Bloghaus.
Kein ordentlich geplantes Haus mit klarer Raumaufteilung. Eher ein gewachsenes, vielräumiges, manchmal etwas verwinkeltes Haus. Mit Atelier, Schreibstube, Schattenraum, Dachboden, Hühnerstall, Feuerstelle, Gewächshaus und Geheimwegen. Mit offenen Türen, inneren Treppen, alten Kisten, neuen Ideen und einigen Tieren, die selbstverständlich mit eingezogen sind.
Dieses Blog ist längst mehr als eine Sammlung von Beiträgen. Es ist eine Behausung geworden. Ein Ort, an dem vieles wohnen darf, was in meinem Leben sonst schwer unterzubringen wäre: angefangene Projekte, alte Ichs, künstlerische Umwege, Fundstücke aus der Natur, Abschiede, Neuanfänge und die vielen Fäden meiner Vielbegabung.
Also: Komm herein. Ich zeige dir mein Bloghaus.

Jubiläumsrundgang in meinem Bloghaus
Die Tür
Am Anfang steht die Tür.
In der offenen Tür stehe ich selbst. Zu meinen Füßen liegt unsere Hündin Lotte. Das Bloghaus ist offen, aber nicht leer. Es ist bewohnt, begleitet und mit Alltag gefüllt.
Wen man auf dem Bild nicht sieht, ist mein Mann Stephan. Auch er gehört dazu. Er gehört zu meinem Leben, zu meinem Alltag, zu dem Hintergrund, aus dem vieles entsteht.
Die Tür ist die Schwelle zwischen meinem Leben und dem Blog. Zwischen dem, was ich erlebe, sammle, denke, gestalte, und dem, was ich davon nach außen sichtbar mache.
Nicht alles kommt durch diese Tür. Manches bleibt privat. Manches braucht Zeit. Manches steht lange davor und wartet, bis ich weiß, ob es wirklich eintreten darf. Andere Themen kommen ganz selbstverständlich herein, setzen sich an den Tisch und bleiben.
Auf der Fußmatte steht: Willkommen.
Das heißt nicht, dass hier alles glatt, schön oder fertig sein muss. Willkommen sind auch Umwege, Brüche, alte Ichs, neue Versuche, unfertige Gedanken, Fundstücke, Bilder, Hühnergeschichten, Abschiede und Wandlungen.
Diese Tür führt nicht in ein perfekt aufgeräumtes Haus. Sie führt in ein bewohntes Bloghaus. In ein Haus, das wächst, sich verändert und immer wieder neue Räume öffnet.
Der Flur: Hier verzweigen sich die Wege
Im Zentrum meines Bloghauses liegt der Flur. Von hier aus gehen die Wege in verschiedene Richtungen. Zur Kunst. Zu den Hühnern. Zur Natur. Zur Biografie. Zu KI-Experimenten.
Dieser Flur passt gut zu meinem Blog, denn vielbegabt.de war nie als Ein-Themen-Haus gedacht. Es ist eher ein Ort für Verzweigungen. Ein Ort, an dem Themen nebeneinanderstehen dürfen, ohne sich gegenseitig zu verdrängen.
Aber der Flur ist nicht nur ein Ort der Abzweigungen. Er ist auch ein Ort der Verbindung. Hier begegnen sich Themen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben: ein Huhn und ein Mandala, ein Fundstück aus der Natur und ein KI-Bild, ein alter Kurs und eine neue Frage, eine biografische Erinnerung und ein künstlerischer Prozess.
Manchmal führt ein Weg in eine künstlerische Technik. Manchmal zu einer Erinnerung. Manchmal zu einem Huhn. Manchmal zu einer Naturbeobachtung. Und manchmal überraschend in einen Raum, von dem ich vorher selbst nicht wusste, dass es ihn gibt.
Im Flur entstehen die Verknüpfungen. Hier zeigen sich Zusammenhänge. Hier merke ich oft erst im Nachhinein, dass einzelne Beiträge, Bilder und Themen längst miteinander sprechen.
Das Atelier: Bilder, Farben, Techniken, Experimente
Einer der wichtigsten Räume ist natürlich das Atelier. Hier wohnen meine Bilder, Farben, Materialien und künstlerischen Versuche.
Mandalas, Farbkreisreisen, Collagen, gemalte und gezeichnete Figuren, textile Arbeiten, Serien, alte Werke und neue Experimente finden hier Platz. Manche Bilder sind sorgfältig ausgearbeitet, andere sind Prozessbilder. Manche gehören zu langen Reihen, andere sind einzelne Fundstücke.
Das Atelier ist kein Raum der fertigen Meisterwerke. Es ist eher ein Raum des Machens. Hier darf ausprobiert werden. Hier darf etwas misslingen. Hier darf etwas beginnen, sich verändern, übermalt, weitergedacht oder Jahre später wiederentdeckt werden.
Die Bildhauer- und Modellierwerkstatt
Auch sie gehört zu meinem Bloghaus, weil meine Vielbegabung nicht nur aus Worten und Bildern besteht, sondern auch aus Material, Widerstand, Gewicht und Form.
Die Arbeit am Stein fand früher im Freien oder in der Scheune statt. Im Atelier gibt es noch Ton zum Modellieren. Klüpfel und Meißel sind längst ausgezogen. Die Skulpturen haben nun ihren Platz gefunden: im Garten, bei mir und bei anderen.
Hier wohnen Erinnerungen an bildhauerisches Arbeiten, an Hände im Material, an das langsame Entstehen von Körpern, Figuren und Formen.
Dieser Raum erinnert mich daran, dass Kreativität nicht nur im Kopf stattfindet. Sie braucht Hände, Werkzeuge, Zeit und Geduld. Und manchmal auch den Mut, etwas Unförmiges so lange zu bearbeiten, bis es eine eigene Gestalt bekommt.
Die Schreibstube: Bloggen als Denken
In der Schreibstube wird aus Erlebtem Sprache. Hier sitze ich nicht nur, um fertige Gedanken aufzuschreiben. Oft entsteht der Gedanke erst beim Schreiben.
Bloggen ist für mich Denken, Erinnern, Sortieren, Verwandeln und Planen. Ein Beitrag beginnt manchmal mit einem Bild, manchmal mit einem Fund, manchmal mit einer Frage, manchmal mit einem diffusen inneren Drängen.
Erst beim Schreiben merke ich, worum es eigentlich geht. Das Blog wird dadurch zu einem Denkraum. Zu einem Ort, an dem ich Fäden aufnehme, verbinde und weiterführe.
In den letzten Jahren hat sich hier noch ein weiterer Raum geöffnet: das digitale Labor. Statt im Atelier verbringe ich inzwischen viel Zeit am Bildschirm, mit Bildgeneratoren und künstlicher Intelligenz. Ich arbeite im virtuellen Raum, nicht mit Hand, Material und Werkzeug – und doch geht es weiterhin um Bilder, Prozesse und Verwandlung.
Vielleicht ist das kein Abschied vom Atelier, sondern eine Erweiterung. Die Werkzeuge haben sich verändert. Der schöpferische Impuls ist geblieben.
Der Dachboden der Transformation
Ganz oben im Bloghaus liegt der Dachboden der Transformation.
Dort lagern alte Projekte, frühere Ichs und wiedergefundene Spuren. Dinge, die einmal wichtig waren. Dinge, die lange vergessen waren. Dinge, von denen ich mich verabschiedet habe. Und Dinge, die plötzlich in einem neuen Licht erscheinen.
Hier liegen auch die verschiedensten Bücher, Dokumente, Bilder und Fotos. Ich habe viel gesammelt. Vielleicht auch deshalb, weil ich nicht nur als pädagogische Fachkraft ein Fan von Bildungsdokumentation und Portfolios war, sondern auch von der eigenen Dokumentation: vom Festhalten, Sichtbarmachen und Wiederanschauen dessen, was entstanden ist.
Der Dachboden ist kein Abstellraum im negativen Sinn. Er ist eher ein Ort des Wandels. Hier darf Vergangenes noch einmal angeschaut werden. Nicht, um es unverändert zurückzuholen, sondern um zu verstehen, welche Bedeutung es einmal hatte – und was davon heute noch weiterleben will.
Vielleicht ist dieser Dachboden einer der wichtigsten Räume meines Bloghauses. Denn Vielbegabung bedeutet für mich auch: viele frühere Versionen meiner selbst mit im Gepäck zu haben.
Das Stille-Zimmer
Nicht alles in diesem Haus ist laut, bunt und voller Bewegung. Es gibt auch ein Stille-Zimmer.
Ein Raum für Einkehr, Achtsamkeit und inneren Frieden. Für Meditation. Für Pausen. Für das, was nicht sofort in Worte oder Bilder übersetzt werden muss.
Dieses Zimmer ist reiz- und ablenkungsarm eingerichtet, mit einer gemütlichen Liege. Ein Raum, in dem nichts drängt, nichts flackert, nichts gleichzeitig Aufmerksamkeit fordert.
Es ist wichtig, weil so viele Ideen, Projekte und Möglichkeiten auch überfordern können. Vielbegabung braucht nicht nur Ausdruck, sondern auch Sammlung. Nicht nur Türen, sondern auch Rückzug. Nicht nur Fülle, sondern auch Stille.
Der Schattenraum

Im Erdgeschoss meines Bloghauses gibt es einen dunkleren Raum: den Schattenraum.
Hier wohnen Themen wie Schmerz, Tod, unbewusste Anteile, Transformation und Integration. Hier finden auch meine dunkleren Bildserien ihren Platz: Schattenwesen, tote Tiere, Abschiede, Verwandlungen, Auferstehungen.
Dieser Raum ist nicht gemütlich im einfachen Sinn. Aber er ist wichtig. Denn auch das gehört zu meinem Blog: dass nicht nur das Schöne, Bunte und Gelungene einen Platz bekommt, sondern auch das Verletzliche, Verstörende und Unfertige.
Vielleicht ist der Schattenraum gerade deshalb ein Schutzraum. Weil hier nichts weggeschoben werden muss.
Der Hühnerstall mit Auslauf und Außengehege
Natürlich hat mein Bloghaus auch einen Hühnerstall mit Auslauf und Außengehege.
Hühner und Natur gehören längst zu vielbegabt.de. Sie bringen Alltag, Lebendigkeit, Unplanbarkeit und manchmal auch Abschied ins Haus. Von Dolores, Daphne, Hilde, Annemie und Änne habe ich mich bereits verabschiedet. Hulda und Alma sind noch da, und Hanni und Nanni sind gerade erst eingezogen.
So ist auch dieser Bereich meines Bloghauses in Bewegung: Es gibt Ankommen und Abschied, Gewohnheiten und Überraschungen, Sorge und Freude. Jedes Huhn bringt seine eigene Geschichte mit, seine Eigenheiten, seine Nähe oder Distanz, seine Spuren im Alltag.
Der Hühnerstall erinnert mich daran, dass Kreativität nicht nur am Schreibtisch oder im Atelier entsteht. Sie entsteht auch draußen. Beim Beobachten. Beim Füttern. Beim Trauern. Beim Staunen über ein Tier, das einfach tut, was ein Huhn eben tut.
Eine Ode an den Alltag.
Das Feuer
Vor dem Haus brennt ein Feuer.
Für mich steht es für Gemeinschaft, Geschichtenerzählen und Urkraft. Ein Blog ist zwar ein digitaler Ort, aber er hat etwas sehr Altes: Jemand erzählt. Andere lesen. Manchmal entsteht Verbindung.
Vielleicht ist jeder Blogbeitrag ein kleines Stück Holz, das ins Feuer gelegt wird. Eine Erinnerung, ein Bild, ein Gedanke, ein Erlebnis. Nicht alles brennt gleich hell. Aber über die Jahre entsteht Wärme.
Das Gewächshaus der Ideen und die Geheimwege der Intuition
Rechts vom Haus steht das Gewächshaus der Ideen. Dort wächst, was noch nicht fertig ist. Kleine Keimlinge, lose Einfälle, halbe Sätze, Bildideen, mögliche Serien, Themen, die vielleicht später einmal größer werden.
Und daneben beginnen die Geheimwege der Intuition. Nicht alles lässt sich planen. Manche Themen kommen durch Seitentüren. Manche Bilder entstehen, bevor ich verstehe, warum. Manche Beiträge schreiben sich aus einer Ahnung heraus.
Auch diese Wege gehören zu meinem Bloghaus. Vielleicht sogar besonders.
Der Ausblick aus dem Fenster
Und dann gibt es noch den Ausblick.
Was weiterziehen, wachsen oder neu einziehen darf – das weiß ich noch nicht. Und das ist gut so.
Mein Bloghaus ist nicht fertig. Es soll auch nicht fertig sein. Es darf weiter umgebaut werden. Räume dürfen dazukommen. Andere dürfen ruhiger werden. Manche Türen werde ich öfter öffnen, andere vielleicht nur noch selten.
Nach fünf Jahren ist vielbegabt.de für mich mehr als ein Blog. Es ist Archiv, Atelier, Schreibstube, Dachboden, Schattenraum, Ideenhaus und innerer Ort zugleich.
Eine Behausung für meine Vielbegabung.
Und ich bin gespannt, welche Räume ich in den nächsten Jahren noch entdecken werde.
Danke, dass du mich auf diesem Jubiläumsrundgang durch mein Bloghaus begleitet hast.
Wenn du magst, schau dich gerne weiter um. In diesem Bloghaus stehen viele Türen offen.
Und vielleicht möchtest du ja auch dein eigenes inneres Haus erkunden.
Zur Bloghaus-Karte – und zur Möglichkeit, eine eigene Karte zu bekommen – geht es hier entlang: 100 Postkarten für meine Couchgalerie