Behausung – eine Annäherung| Mai 2026: Wenn es im Bauch spukt
19. Mai 2026
Liebe*r Couchgalerie-Besucher*in!
In meiner Serie „Behausung“ geht es nicht nur um Häuser, Zimmer, Höhlen oder äußere Schutzräume. Immer deutlicher wird mir: Die erste Behausung ist der eigene Körper. In ihm wohne ich, lange bevor ich irgendeinen anderen Raum betrete. Er trägt mich, schützt mich, begrenzt mich – und manchmal wird er mir fremd.
Besonders der Bauch ist so ein innerer Wohnort. Dort wird aufgenommen, zerkleinert, sortiert, weitergegeben und ausgeschieden. Dort entsteht Energie. Dort liegt aber manchmal auch das, was nicht gut verarbeitet werden kann: Nahrung, Anspannung, Angst, Ärger, Unausgesprochenes. Dann fühlt sich der Körper nicht mehr an, als würde er still verdauen. Es ist eher, als würde er gären.
Der Satz „Wenn der Körper gärt statt verdaut“ wurde für mich zu einem Bild. Nicht als medizinische Diagnose, sondern als Wahrnehmung: Da arbeitet etwas in mir. Da rumort, bläht, drückt und spukt es. Der Bauch wird zur bewohnten Innenwelt, zu einem Haus voller ungebetener Gäste.
Aus diesem Gedanken entstanden KI-Bilder eines Magen-Darm-Traktes, in dem Poltergeister, Monster und Dämonen hausen. Später habe ich jeweils eine Heilerin hinzugefügt. Dadurch veränderte sich die Szene. Aus dem reinen Schreckensraum wurde ein Ort der Begegnung. Die Heilerin vertreibt die Monster nicht sofort. Sie betritt den Raum, bringt Licht mit und schaut hin.
So gehören diese Bilder für mich zur Serie „Behausung“: Der Körper erscheint als inneres Haus, der Darm als Unterwelt, das Unwohlsein als Spuk. Und zugleich taucht in diesem schwierigen Innenraum eine heilende Gestalt auf – als Möglichkeit, im eigenen Körper wieder bewohnbarer zu werden.
Wenn es im Bauch spukt
Ausgangspunkt war ein Prompt: Mache ein Bild eines Magen-Darm-Traktes, in dem Poltergeister, Monster und Dämonen hausen.
Was dabei entstand, sind keine medizinischen Illustrationen, sondern innere Landschaften. Der Verdauungstrakt wird zur Höhle, zur Unterwelt, zu einem bewohnten Raum. In ihm sitzt nicht einfach Nahrung, die verarbeitet werden will. Da haust etwas. Da krabbelt, fliegt, lauert, schreit und spukt es.
Mit dem Drachen durch die gärende Innenwelt
Das erste Bild wirkt trotz aller Unruhe fast abenteuerlich. Eine Heilerin reitet auf einem Drachen durch den glühenden Darmraum. Sie hält Licht in der Hand. Die Monster sind da, aber sie bestimmen nicht allein das Geschehen. Die Heilerin hat ein Reittier, eine erhöhte Position, eine gewisse Souveränität. Sie ist nicht verschluckt von der Unterwelt, sondern bewegt sich in ihr. Vielleicht ist sie die innere Instanz, die sich dem Unheimlichen nähern kann, ohne sofort unterzugehen.

Der Heilerin begegnen die inneren Dämonen
Im zweiten Bild ist die Stimmung dichter und bedrohlicher. Die Heilerin steht den Wesen zu Fuß gegenüber. Der Darmraum ist überfüllt, finster, von grinsenden Schädeln, geflügelten Gestalten und aufgerissenen Mäulern bevölkert. Hier ist weniger Abenteuer, mehr Konfrontation. Die Heilerin hält ein Licht in der Hand, aber es ist klein im Vergleich zur Masse des Dunklen. Und doch ist sie da. Sie wendet sich nicht ab. Sie betritt den Ort, an dem es inwendig spukt.

Liebe*r Couchgalerie-Besucher*in!
Beide Bilder erzählen für mich von einem Körper, der nicht einfach nur verdaut. Er beherbergt etwas. Beschwerden, Ängste, alte Spannungen, vielleicht auch Unausgesprochenes bekommen Gestalt. Das Unwohlsein wird zu Wesen. Der Bauch wird zum Haus voller ungebetener Gäste.
Erst durch die Heilerin verändert sich die Szene. Ohne sie wären die Bilder reine Horrorwelten. Mit ihr entsteht Beziehung. Sie muss die Monster nicht sofort besiegen. Sie bringt zunächst Anwesenheit, Licht und Aufmerksamkeit in den Raum. Vielleicht beginnt Heilung genau dort: nicht mit Vertreibung, sondern mit dem Mut, den inneren Spuk überhaupt wahrzunehmen.
So werden die Bilder zu einer Fortsetzung des Gedankens: Wenn der Körper gärt statt verdaut.
Gärung ist hier nicht nur ein körperlicher Vorgang. Sie wird zur seelischen Bewegung. Im Inneren arbeitet etwas, das noch keine ruhige Form gefunden hat. Es macht Geräusche. Es nimmt Gestalt an. Es will gesehen, vielleicht beruhigt, vielleicht verwandelt werden.
Der Magen-Darm-Trakt erscheint dadurch als eine besondere Behausung: kein friedliches Zuhause, sondern ein schwieriger, bevölkerter Innenraum. Und doch gibt es darin nicht nur Dämonen. Es gibt auch eine Heilerin. Eine, die hineingeht. Eine, die Licht mitnimmt. Eine, die den Körper nicht aufgibt.
Und du?
Vielleicht kennst du solche inneren Räume auch. Nicht unbedingt als Monsterhöhle, nicht als Dämonenwelt, nicht so bildhaft und drastisch. Aber vielleicht als Druck im Bauch. Als Kloß im Magen. Als Unruhe, die nicht weggeht. Als etwas, das du geschluckt hast und das trotzdem weiterarbeitet.
Was wohnt in deinem Bauch, wenn er nicht zur Ruhe kommt?
Welche ungebetenen Gäste haben sich dort eingerichtet – Sorgen, Ärger, Angst, Erschöpfung, alte Sätze, unausgesprochene Worte?
Und gibt es in dir auch eine Heilerin? Eine innere Gestalt, die nicht gleich alles lösen muss. Eine, die nicht kämpft, nicht flieht, nicht beschönigt. Eine, die einfach hineingeht, Licht mitnimmt und sagt: Ich schaue mir das an. Ich lasse dich damit nicht allein.
Vielleicht beginnt Behausung genau dort: nicht in einem störungsfreien Körper, sondern in dem Moment, in dem du deinem inneren Spuk nicht mehr nur ausgeliefert bist. Sondern ihm begegnest. Schritt für Schritt. Mit Wärme, Aufmerksamkeit und vielleicht einem kleinen Licht in der Hand.
Weitere Beiträge der Serie findest du in der Kategorie: Behausung