Ich im Sonnenblumenfeld – noch lange nicht ausanimiert

20. August 2026

Anime-Illustration einer reiferen Frau in einem rot-lila gemusterten Kleid zwischen vertrockneten Sonnenblumen vor leuchtend blauem Himmel.

Liebe*r Couchgalerie-Besucher*in!

Auf der Gassirunde komme ich am Sonnenblumenfeld vorbei. Gestern noch Hochsommer, heute schon fast Herbst: bedeckter Himmel, etwas Regen, viele Sonnenblumen bereits verblüht oder vertrocknet, dazwischen nur noch wenige leuchtend gelbe.

Ich beginne zu fotografieren. Die vertrockneten Sonnenblumen ziehen mich mehr an als die schönen, vollen Sommerblüten. Schnell ist klar: Dieses Feld wird der Hintergrund für meine nächsten Bilder.

Passende Bilder von mir für das Sonnenblumenfeld hatte ich eigentlich nicht. Also suchte ich in meinem Fundus nach Aufnahmen, die sich wenigstens von Haltung und Bewegung her eigneten: aktuelle Bilder in Winterkleidung, mit und ohne Lotte, zwei ältere Fotos mit Kurzhaarfrisur aus den Jahren 2002 und 2004 und schließlich ein Bild im bunten Kleid von 2024, das für mich am stimmigsten wirkte.

Von Anfang an war klar, dass ich die Figuren noch weiterbearbeiten wollte. In Canva kam ich damit allerdings nicht weiter – mein Guthaben für die KI-Funktionen war aufgebraucht. Also wanderte das Experiment zu ChatGPT.

Vom Sonnenblumenfeld zum Anime

Dort entdeckte ich zum ersten Mal bewusst die Möglichkeit, bei der Bildbearbeitung ein Genre auszuwählen.

Frau in grüner Winterjacke steht mit erhobenen Armen zwischen vertrockneten Sonnenblumen; eine kleine helle Hündin steht vor ihr.

Anime sprach mich sofort an. Ich mag diesen stark stilisierten Illustrationsstil – vermutlich auch deshalb, weil ich schon lange gerne mit Comica arbeite und Fotos in gezeichnete Bilder verwandle. Also ließ ich mein Sonnenblumenmotiv als Animebild umsetzen.

Frau in grüner Winterjacke steht mit erhobenen Armen zwischen vertrockneten Sonnenblumen; eine kleine helle Hündin steht vor ihr.

Das Ergebnis gefiel mir auf Anhieb. Die vertrockneten Sonnenblumen blieben erhalten, der graue Himmel verwandelte sich dagegen in ein leuchtendes Blau, und auch Lotte war mit von der Partie. Nur ein Detail störte meinen Mann: Winterjacke im Sonnenblumenfeld? Recht hatte er. Also bat ich die KI, die Frau sommerlicher zu kleiden.

Damit war die erste kleine Motivserie entstanden: Ausgangsbild, Anime in Winterkleidung und Anime in Sommerkleidung. Und Lotte mit dabei – was ich besonders liebe.

Vom Original zur reiferen Anime-Figur

Am Anfang steht hier mein Favorit unter den eingefügten Ich-Bildern: das Foto im bunten Kleid aus dem Jahr 2024. Die kräftigen Farben funktionieren für mich besonders gut vor dem grauen Himmel und den vertrockneten Sonnenblumen.

Dann die erste Anime-Version. Sie übernimmt das Kleid und die Grundstimmung, macht aus mir aber zugleich eine wesentlich jüngere Frau. Das Ergebnis ist lebendig und gefällt mir als Illustration – und trotzdem merke ich sofort: Das bin nicht ich in meinem heutigen Alter. Wieder taucht dieses vertraute Anime-Mädchen-Schema auf: glatter, jünger, süßer.

Anime-Illustration einer jungen Frau in einem rot-lila gemusterten Kleid zwischen vertrockneten Sonnenblumen vor leuchtend blauem Himmel.

Also fordere ich ausdrücklich eine reifere Frau. 

Anime-Illustration einer reiferen Frau in einem rot-lila gemusterten Kleid zwischen vertrockneten Sonnenblumen vor leuchtend blauem Himmel.

Genau hier wird das Experiment für mich interessant: Nicht nur der Stil verändert das Bild, sondern auch die Vorstellungen davon, wie eine Frau auszusehen hat. Jugend scheint der KI zunächst als Standard näherzuliegen als Reife. Mein Alter muss ich ausdrücklich mit hineinholen.

Zu viel Haut – und trotzdem wieder jung

Erst einmal: abgelehnt

Als Nächstes wollte ich ein älteres Foto von mir verwenden, auf dem ich im BH zu sehen bin. Ausgerechnet dieses Bild wurde von ChatGPT zunächst abgelehnt. Die Begründung: mögliche Nacktheit oder sexualisierte Inhalte. Dabei ging es mir gar nicht um Erotik, sondern um die Körperhaltung und darum, auch dieses frühere Ich in das Sonnenblumenfeld zu setzen.

Also ein anderes Bild

Ich nahm stattdessen ein anderes Foto aus derselben Lebensphase: kurze Haare, gestreiftes Top, Jeans, die Hände nach oben geführt.

Frau in Winterjacke reckt im Sonnenblumenfeld beide Arme nach oben; unten rechts steht ein kleiner heller Hund.

Die Anime-Umsetzung überraschte mich dann gleich auf die nächste Weise. Aus dem eher schlichten Ausgangsbild wurde eine junge, sehr glatte und deutlich sexualisierte Figur: kurze Shorts, betonte Körperformen, große Augen, makellose Haut – dazu gleich noch eine freundlich dreinschauende Lotte und eine ganze sonnige Wohnwelt rund um die Sonnenblumen.

Anime-Illustration einer jungen Frau mit kurzen dunklen Haaren, gestreiftem Top und Jeansshorts zwischen Sonnenblumen; im Vordergrund ist ein kleiner heller Hund zu sehen.

Spätestens hier war das Muster kaum noch zu übersehen. Reife oder auch nur ein weniger normiertes Frauenbild scheint nicht automatisch mitzuwandern. 

Apokalypse im Sonnenblumenfeld

Frau in dunkler Kleidung mit Mütze und Brille steht mit ausgebreiteten Armen in einem Feld aus vertrockneten Sonnenblumen unter grauem Himmel.

Nach den vorherigen Bildern, die mir schnell zu jung, zu glatt oder zu viel Haut zeigten, hatte ich plötzlich Lust auf etwas ganz anderes: mehr Drama, mehr Dunkelheit, mehr Endzeitstimmung. Das vertrocknete Sonnenblumenfeld bot sich dafür geradezu an.

Zuerst entstand eine nicht-animierte, dramatisch bearbeitete Version. Der Himmel verdunkelte sich, das Feld wurde düsterer, und aus dem eher alltäglichen Motiv wurde eine fast filmische Szene.

Frau in dunkler Kleidung und Mütze steht mit ausgebreiteten Armen in einem Feld aus vertrockneten Sonnenblumen unter einem düsteren, sturmvollen Himmel.

Danach ließ ich das Bild noch einmal im Animestil umsetzen. Auch dort blieb die apokalyptische Stimmung erhalten, wurde aber noch einmal gesteigert: feuriger, zugespitzter, fast wie eine Endzeit-Heldin im Sonnenblumenfeld.

Anime-Illustration einer reifen Frau in dunkler Kleidung mit ausgebreiteten Armen in einem Feld vertrockneter Sonnenblumen vor einem dramatischen, feurig-dunklen Himmel.

Hier ging es plötzlich nicht mehr um Gefälligkeit, sondern um Übertreibung in eine ganz andere Richtung: nicht süß, sondern dramatisch.

Tanz im Sonnenblumenfeld

Zweiter Versuch

Nachdem mein erster Versuch mit dem freizügigeren Ausgangsbild von ChatGPT abgelehnt worden war, wollte ich wissen, ob sich das Motiv in veränderter Form doch bearbeiten lässt. Also startete ich einen zweiten Versuch – mit derselben Grundidee: die tänzerische Haltung im Sonnenblumenfeld als Animefigur weiterzuentwickeln.

Entschärfte Ausgangsversion einer Frau in schwarzem Oberteil und dunkler Hose, die in einer tänzerischen Haltung zwischen vertrockneten Sonnenblumen steht.
nachbearbeitet, weniger freizügig als das Original

Diesmal funktionierte es. Es entstanden drei Varianten: eine junge Animefigur, eine reifere Version und schließlich eine Fassung, in die zusätzlich ein Porträt von mir einfloss.

Die erste Figur folgt wieder dem inzwischen vertrauten Muster.

Anime-Illustration einer jungen Frau mit kurzem dunklem Haar in schwarzem Oberteil und dunkler Hose, die zwischen vertrockneten Sonnenblumen eine tänzerische Pose einnimmt.

Erst mit der ausdrücklichen Aufforderung wird sie sichtbar reifer.

In der dritten Variante fließt zusätzlich ein Porträt von mir ein. Sie bleibt stilisiert, ist aber deutlich mehr ich.

Stilisierte Anime-Illustration einer reifen Frau mit Brille und langem dunklem Haar in schwarzem Oberteil und dunkler Hose, in tänzerischer Haltung zwischen vertrockneten Sonnenblumen vor dramatischem Himmel.

Für die Veröffentlichung entschärfte ich die Ursprungsversion. Das benenne ich bewusst so, weil es genau das ist: keine unveränderte Ausgangsaufnahme mehr, sondern eine überarbeitete Fassung, die sich stärker an den späteren Animevarianten orientiert. So kann ich den Prozess zeigen, ohne das ursprüngliche Bild in seiner freizügigeren Form stehen lassen zu müssen.

Nicht ausanimiert

Ich hatte wieder richtig Freude an diesem Prozess. Am Ausprobieren, Verwerfen, Weiterdrehen – und auch daran, mich selbst in diesen völlig überzeichneten Bildern wiederzufinden.

Beim Thema jung und reif bin ich allerdings an einer Stelle gelandet, die mir schon aus meinem Beitrag über Akt und KI vertraut ist: Die KI macht Frauen erstaunlich selbstverständlich jünger, glatter und gefälliger. Reife muss oft ausdrücklich eingefordert werden.

Und gleichzeitig merke ich etwas Unbequemes: Auch ich selbst bin an bestimmte Bilder von Weiblichkeit gewöhnt. Eine sichtbar reifere Frau irritiert mich manchmal zunächst stärker als eine junge, glatte Figur. Nicht unbedingt, weil ich sie weniger schön finde, sondern weil meine Sehgewohnheiten andere sind.

Vielleicht ist genau das der spannendste Teil dieses Experiments.

Wie ist das bei dir?

Welche der Figuren wirkt für dich sofort stimmig – und welche irritiert dich? Ist es das Alter, der Stil, die Körperhaltung, die Kleidung? Und was sagt das vielleicht weniger über das Bild als über das, was wir zu sehen gewohnt sind?

Mit 58 bin ich jedenfalls noch lange nicht ausanimiert.

Herzlichst, Silke

 

Hinweis zu den Bildern:

Die Ausgangsfotos stammen von mir. Einige Bilder wurden mit Canva montiert, weitere mit ChatGPT/KI stilistisch verändert oder neu aus meinen Vorlagen erzeugt. Im Beitrag beschreibe ich jeweils den Entstehungsprozess.

Leave a Reply:

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert