Auferstanden, Teil 5: Tierkunst – Tod – Möglichkeiten

2. Mai 2026

KI-generierte lebendige Hummel mit leuchtenden Farben, auf ihrem Rücken sitzt ein kleines elfartiges Wesen

Liebe*r Couchgalerie-Besucher*in!

⚠️ Triggerwarnung

In diesem Beitrag geht es um den Tod kleiner Tiere. Es werden Fotos toter Tiere gezeigt (z. B. verendet, überfahren, aus dem Nest gefallen) sowie KI-generierte Bilder, die aus diesen Fotos entstanden sind. Wenn du dich gerade in einer emotional verletzlichen Phase befindest oder der Anblick toter Tiere dich stark belastet, lies diesen Beitrag bitte nur, wenn du dich stabil fühlst. Die Bilder sind würdevoll, aber können durch ihre Deutlichkeit emotional herausfordernd sein. Bitte entscheide selbst, ob du weiterlesen möchtest.

In meiner Serie Auferstanden gehe ich von Fundstücken aus der Natur aus – toten Tieren oder ihren Überresten – und entwickle daraus mit Hilfe von KI neue Bilder.
Es entstehen keine Abbilder, sondern Verwandlungen: neue Wesen, neue Bedeutungen, neue Blickwinkel.
Zur Serie Auferstanden 

Lange war es still.

Und das ist etwas Gutes.
Denn es bedeutete auch: lange keine toten Tiere gefunden.
Keine Begegnungen am Rand, keine Bilder, die mich innehalten lassen.

Jetzt sind es wieder drei.

Drei Funde, drei Momente an der Grenze –
zwischen Leben und Tod, zwischen Wirklichkeit und Vorstellung, zwischen dem, was war, und dem, was daraus wird.

Drei Begegnungen am Rand

Ich beginne mit der Ratte.

Die Ratte: Skurril und verstörend

tote Ratte auf Asphalt liegend, graues Fell, regloser Körper auf dunklem Untergrund

Sie lag da.
Und irgendetwas stimmte nicht.

Nicht, weil sie tot war.
Sondern weil sie nicht mehr ganz war.

Es war nicht die Ratte ohne Unterleib, die man vielleicht erwarten würde –
sondern eine Ratte ohne Oberkörper.
Ein Anblick, der sich nicht sofort einordnen lässt.
Der irritiert. Und hängen bleibt.

Skurril, ja.
Aber nicht im leichten Sinn.

Vielleicht auch deshalb, weil Ratten für uns meist unsichtbar bleiben.
Wir wissen, dass sie da sind.
In Kanälen, unter Wegen, hinter Mauern.
Aber wir sehen sie selten.
Und noch seltener so.

Was ist ihr passiert?
Kein Auto, kein Straßenrand – ein Gehweg.
Ich vermute: ein anderes Tier.
Ein kurzer, direkter Moment.
Jagd. Zugriff. Ende.

Ich habe sie fotografiert.
Nicht, weil ich es schön fand.
Sondern weil ich es nicht übersehen konnte.

Und irgendwo, ganz leise, meldete sich eine alte Erinnerung:
Als Teenager wollte ich einmal eine Ratte als Haustier.
„Die stinken“, sagte der Mann im Zoogeschäft.
Und ich ging wieder.

Vielleicht ist es genau diese Nähe und Fremdheit zugleich,
die mich heute noch berührt.

Und dann war da noch dieser Blick auf den Körper selbst:
die kleinen Pfoten, die selbst im Tod noch so genau sind.
Vorne vier Zehen, hinten fünf.
Ein Detail, das ich früher nie bewusst wahrgenommen habe.

So viel Leben steckt selbst in dem, was nicht mehr lebt.

Und später, in der Verwandlung durch die KI (Prompt: Mach daraus eine lebende Ratte, die sich freut):

Eine Ratte, die lebt.
Die schaut. Die fast zu lachen scheint.
Ein offenes Maul, ein Ausdruck von etwas, das nicht mehr Angst ist.

KI-generierte Ratte mit offenem Maul, lebendig und wach wirkend auf dunklem Asphalt

Und dann habe ich sie feiern lassen!

KI-generierte Ratte mit Partyhut und Konfetti, lebendig wirkend mit offenem Maul auf Asphalt

Vielleicht liegt genau darin die Spannung:
zwischen dem, was wir gesehen haben –
und dem, was wir uns vorstellen können.

Und dann ist da diese Hummel.

Die Hummel: Ein leises Weiterfliegen

Eine Hummel.
In der wenig genutzten Küche neben dem Praxisraum.

Hummeln – die kleinen Hubschrauber im Dienste der Bestäubung.
Unermüdlich, brummend, fast ein bisschen tollpatschig in der Luft.
Und doch so präzise in dem, was sie tun.

Diese hier lag still.
Auf dem Rücken, die Beine leicht angezogen, die Flügel durchsichtig und zerbrechlich.
Ein Körper, der eigentlich für Bewegung gemacht ist – und nun zur Ruhe gekommen.

tote Hummel auf hellem Küchenboden liegend, schwarze und orangefarbene Behaarung, Flügel ausgebreitet

Ich habe sie aufgehoben.
Nicht lange. Nur einen Moment.

Vielleicht, weil Hummeln für mich nie einfach nur Insekten sind.
Sondern etwas Freundliches haben.
Etwas Vertrautes.

Später, in der Verwandlung, wurde aus ihr etwas anderes:

KI-generierte lebendige Hummel mit leuchtenden Farben, auf ihrem Rücken sitzt ein kleines elfartiges Wesen

Keine stille Hummel mehr.
Sondern ein Wesen, das wieder trägt.

Ein kleines, leichtes Geschöpf auf ihrem Rücken –
aus einer anderen Welt.

Und plötzlich war sie nicht mehr nur ein Ende.
Sondern ein Übergang.

Vielleicht ist das ihre Art zu bleiben:
nicht im Brummen,
sondern in der Vorstellung, dass sie weiterträgt.

Welchen Auftrag sie nun im Elfenland hat?
Vielleicht bestäubt sie keine Blüten mehr,
sondern Gedanken.
Und lässt etwas wachsen, das man nicht sehen kann.

Der nächste Fund ist selten:
ein Maulwurf.

Der Maulwurf: Unter der Oberfläche

Gefunden in der Fahrrinne eines Waldweges.

Toter Maulwurf liegt in der Fahrrinne eines Waldweges, das dunkle Fell wirkt weich und unversehrt, umgeben von Erde und kleinen Steinen.

Das Fell schimmert weich.
Ich möchte es berühren – tue es nicht.

Er liegt da, fast unversehrt.
Kein Blut, kein offener Bruch.
Nur diese seltsame Stille, die mehr sagt als jede sichtbare Verletzung.

Ich gehe weiter.
Und komme gedanklich doch immer wieder zurück.

Der Weg zum Bild ist diesmal umwegig.
Ich beginne mich für Dinge zu interessieren, die vorher keine Rolle gespielt haben:
für Hände, die aus der Erde wachsen – und die sechs Finger haben.
Für Fell, das keinen Strich kennt, keine Richtung, nur Dichte.
Für das Leben unter der Oberfläche.

Dass ein Maulwurf schwimmen kann, habe ich einmal selbst gesehen.
Ein unerwarteter Moment. Fast unwirklich.
Wie dieses Tier hier – zwischen Erde und Luft, zwischen Bewegung und Stillstand.

Und dann ist da noch diese andere Spur:
der kleine Maulwurf aus meiner Kindheit.
Die Zeichentrickfigur, seine Freunde, das Bilderbuch.
Eine warme, weiche Erinnerung, die sich über dieses Bild legt.

Es ist genau diese Überlagerung, die mich berührt:
das reale Tier – und das innere Bild davon.
Das, was war. Und das, was geblieben ist.

Und dann die KI.

KI-generierter Maulwurf mit Sonnenbrille, Hut und Kette, aufrecht und selbstbewusst inszeniert wie ein Star oder Rapper vor hellem Hintergrund.

Diesmal beginne ich mit einer Idee.
Ich will keinen stillen Maulwurf mehr.
Ich will einen expressiven. Einen, der aus der Erde heraustritt.
Einen, der in die Sonne blinzelt – natürlich mit Sonnenbrille.

Fast schon trotzig.
Als würde er sagen: Ich bin da.

Mit Hut und Kette statte ich ihn aus.
Ein bisschen übertrieben. Ein bisschen inszeniert.
Und plötzlich steht er vor mir: ein Star.
Ein Sunnyboy.
Vielleicht ein Gangster-Rapper.

Ich muss lächeln.

Und gleichzeitig frage ich mich:
Was passiert hier eigentlich?

Wie weit kann ich ein Bild treiben,
ohne dass es seinen Ursprung verliert?

Das ist genau der Punkt:
dass beides nebeneinander stehen darf.
Das stille Tier im Staub.
Und die laute Figur im Licht.

Zwischen Erde und Bühne.
Zwischen Verschwinden und Auftritt.

Liebe*r Couchgalerie-Besucher*in!

Danke, dass du mitgegangen bist.


Darin liegt etwas Wesentliches:
zu sehen, was war –
und sich vorzustellen, was möglich ist.

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