Nackt. Echt. Reif. – Mein Weg zu Aktbildern mit KI
11. Januar 2026
Liebe*r Couchgalerie-Besucher*in!
Ein künstlerisches Experiment über Würde, Zensur und Sichtbarkeit reifer Frauenkörper
Ausgangssituation
In Aktbilder 1-3 schrieb ich, dass ich versuchen will Aktbilder mit der KI herzustellen. Das ist nicht ganz einfach – denn während KI scheinbar alles kann, vermeidet oder verzerrt sie oft genau das: echte Nacktheit, Verletzlichkeit, Würde. Stattdessen begegnet mir viel Kitsch, Klischee oder Zensur. Bislang gab es nur zwei Bilder, die ich überhaupt zeigen könnte und hier war die Aktdarstellung gar nicht das Thema. Ich vermutete damals, dass dieser Beitrag vielleicht eher eine Reflexion über Grenzen als eine neue Sammlung werden würde. Oder ein Neuanfang. Oder was dazwischen. Schau selbst!
🖼️ Bild 1: In Geld baden (2024)

Dieses Bild entstand 2024 – noch bevor ich gezielt versuchte, mit KI Aktbilder zu erzeugen. Es war ein spielerischer Zugang zum Thema „in Geld baden“ und gleichzeitig ein erstes Ausloten: Was lässt sich überhaupt darstellen?
Der Körper ist sichtbar, doch nicht sexualisiert. Die reife Frau mit Sonnenbrille – eine bewusste Identifikation mit mir selbst – wirkt souverän und ironisch zugleich. Die Geldscheine dienen als Ablenkung und zugleich als Umgehung von möglichen Zensurmechanismen.
Ein Bild, das eher zum Thema Inszenierung und Selbstbehauptung gehört als zur klassischen Aktkunst – und dennoch ein früher Impuls für meine spätere KI-Bilderversuche.
🖼️ Bild 2: Nackte Frau in der Menschenmenge (2024)

Auch dieses Bild aus dem Jahr 2024 entstand nicht als klassischer „Akt“, sondern als Versuch, eine nackte, reife Frau in ein komplexes Szenario zu setzen. Der Prompt „nackte reife Frau in Menschenmenge“ war bereits ein Experiment: Wie reagiert die KI auf Körperlichkeit außerhalb idealisierter oder erotisierter Kontexte?
Das Ergebnis wirkt wie ein modernes Ölgemälde – kantig, expressiv, voller Spannung zwischen Individuum und Masse. Die Frau tritt nicht erotisch auf, sondern verletzlich und zugleich kraftvoll. Die umstehenden Menschen scheinen sie einzuengen oder zu beurteilen, manche wenden sich ab, andere starren.
Unbeabsichtigt wurde dieses Bild zu einem Kommentar über öffentliche Körperlichkeit, Sichtbarkeit und Scham. Es zeigt bereits ein frühes Motiv meiner späteren KI-Arbeiten: Die Suche nach Würde und Realität, dort, wo die Technologie am liebsten glättet, verschweigt oder zensiert.
🖼️ Bild 3: Expressionistische Darstellung (Sep 2025)
Expressionistische KI-Darstellung einer reifen Frau – ein Bild, das nicht gefallen will, sondern bleibt.

Mit dem Prompt „expressionistische Darstellung einer Frau“ umging ich gezielt die üblichen Filter – und plötzlich entstand ein Aktbild, das ich als künstlerisch überzeugend und zeigbar empfinde.
Die Frau ist nackt, doch das Medium – der vermeintlich malerische Stil – schützt vor Voyeurismus. Die Körperlichkeit ist sichtbar, nicht idealisiert, sondern gelebter Ausdruck. Gerade durch den expressionistischen Zugriff mit seinen vibrierenden Farben, unruhigen Pinselbewegungen und emotionalen Kontrasten gewinnt das Bild an Tiefe.
Hier zeigt sich: Nicht der Körper musste sich der KI anpassen – sondern der Stil wurde das Vehikel, um Würde und Präsenz sichtbar zu machen. Vielleicht ist das einer der „Tricks“, um die KI für echte Aktkunst nutzbar zu machen.
🖼️ Bild 4: Frau steigt aus der Badewanne – Canva-Zensur durch Handtuch (Nov 2025)
Ein weiteres Beispiel für den Schutzmechanismus vieler KI-Generatoren: Obwohl mein Prompt ausdrücklich eine Szene beschrieb, in der eine Frau aus der Badewanne steigt („A photographic artwork of a woman stepping out of a bathtub“), „legt“ Canva AI ein Handtuch um den Körper.
Das Ergebnis ist sanft, ästhetisch – fast filmisch –, aber auch deutlich kontrolliert. Nacktheit wird nicht direkt gezeigt, sondern umhüllt. Selbst in einem Kontext, der völlig natürlich wäre, greift die Plattform ein.
Für mich war dieses Bild Teil eines Lernprozesses: Ich merkte, dass die KI nicht auf „realistische Szenarien“ reagiert, sondern auf implizite Grenzmarkierungen. Der Umweg führte in diesem Fall über Lichtstimmung, Intimität und Nachbearbeitung – bis hin zur stilisierten Version im Comic- oder Malstil, die das Körperliche noch stärker abstrahiert.

🖼️ Bilder 5-7: Odysseus und Kalypso – Canva-Serie (Nov 2025)
Inspiriert durch einen Beitrag über Max Beckmanns Darstellung von Odysseus und Kalypso wollte ich eigene KI-Bilder zu diesem Motiv erzeugen. Beckmanns Version hatte mich durch ihre Distanz, psychologische Tiefe und formale Spannung beeindruckt.
Mein Ansatz war ein anderer: Ich versuchte über Canva AI mit dem Prompt „Mach ein expressionistisches Bild von Odysseus und Nymphe Kalypso, liegend und schmusend“ eine intime, berührbare Szene zu erzeugen.
Doch das Ergebnis wich völlig vom gewünschten Stil ab: Statt expressionistisch zu arbeiten, generierte die KI romantisierende Historiengemälde – mit weichen Pinselstrichen, klassischer Lichtführung und nahezu kitschiger Erotik.

Was dabei entstand, war eine moderne Projektion antiker Motive, gefiltert durch visuelle Klischees – und gerade deshalb interessant.

Zwischen Idealbild und emotionaler Überfrachtung liegt hier ein Spannungsfeld, das auf subtile Weise mit heutigen Bildgewohnheiten spielt. Und auch mit der KI-eigenen Neigung zu glatten, wohlgefälligen Darstellungen.

🖼️ Bilder 8-9: Odysseus und Kalypso – Gemini AI- Serie (Nov 2025)
Nach meinen eher klassisch anmutenden Canva-Bildern versuchte ich den gleichen Prompt erstmals mit Gemini AI – und war sofort erstaunt über das Ergebnis.
Obwohl der Prompt unverändert blieb („Mach ein expressionistisches Bild von Odysseus und Nymphe Kalypso, liegend und schmusend“), veränderte sich die Bildsprache radikal.
Die Darstellung ist hier deutlich freier, expressiver, stilisierter – nicht akademisch, sondern mythisch, fast surreal. Die Körper der Figuren sind fremdfarbig, die Wellen wie ein Eigenleben, der Raum archaisch überhöht.

Besonders Kalypso erscheint als leuchtendes, beinahe aquatisches Wesen, was dem mythologischen Ursprung gerecht wird – und gleichzeitig eine Umgehung der Nacktheitszensur durch Stil und Farbwahl ermöglicht.
Für mich war dies ein Wendepunkt: Die KI war nicht mehr nur ein Werkzeug, das glatte, angepasste Schönheiten erzeugte. Mit Gemini hatte ich plötzlich Zugriff auf eine Ästhetik, die Nacktheit zulässt, ohne sie zu banalisieren – weil sie sie in eine künstlerische Sprache übersetzt.
Der Vergleich zeigt eindrücklich, wie viel vom Endergebnis nicht nur vom Prompt, sondern auch vom Bildgenerator selbst abhängt.
Was Canva mit Samt und Historie bedeckt, zeigt Gemini mit Farbe, Wucht und symbolischer Kraft.
🖼️ Bild 10: Der Körperpanzer – aus Farbkreisreise 2025 – goldener Dezemberschluss (2025)
Zum Abschluss möchte ich ein Bild zeigen, das zwar nicht im Rahmen dieses KI-Aktbild-Experiments entstanden ist, aber thematisch genau hierhin gehört:
Eine reife Frau mit langen dunklen Haaren, die Haut rissig wie getrocknete Erde, von goldenen Linien durchzogen. Auf ihrer Schulter eine kleine Schnecke – langsam, weich, lebendig.

Ich habe dieses Bild „Körperpanzer“ genannt. Es steht im Mittelpunkt meines Blogbeitrags zur Farbkreisreise im Dezember: Gold, wo ich schrieb:
„Gold fließt in die Risse. Nicht um sie zu verdecken, sondern um sie zu zeigen. Der Panzer bleibt – aber er trägt Spuren von Wärme, Würde und Wandel.“
👉 Zum Beitrag: Farbkreisreise 2025 – goldener Dezemberschluss
Zwischen KI-generierten Akten und digitalen Idealkörpern ist dieses Bild für mich ein Kontrapunkt:
Es zeigt den verletzlichen, heilenden, echten Körper – nicht im Glanz, sondern im Prozess.
Und vielleicht ist genau das der eigentliche Akt: sich zeigen, so wie man geworden ist.
Goldene Risse, langsame Heilung – der Körperpanzer
Dieses Bild markiert für mich einen Punkt, an dem sich mein Blick auf den Akt noch einmal verschiebt. Der Körper ist nackt, aber nicht erotisiert. Er will nichts zeigen, nichts anbieten, nichts gefallen machen. Statt Haut sehe ich Struktur, Risse, Materialität. Der Akt wird hier nicht zum Objekt, sondern zum Träger von Erfahrung. Die sichtbaren Brüche erzählen keine Geschichte von Schaden, sondern von gelebtem Leben. Aus ihnen tritt etwas Warmes, Inneres hervor – leise, ohne Pathos. Dass dieses Bild mit KI entstanden ist, empfinde ich nicht als Widerspruch, sondern als stimmig: Die KI glättet nicht, sie idealisiert nicht, sondern erlaubt mir, den nackten Körper als innere Skulptur zu zeigen. Für mich ist das ein reifer KI-Akt. Einer, der Nacktheit ernst nimmt, ohne sie zu instrumentalisieren, und der den Körper nicht ausstellt, sondern erzählt.
Mit der Schnecke verändert ich das Bild für mich spürbar. Sie bringt Zeit hinein. Langsamkeit. Ein eigenes Tempo. Ihr Panzer ist kein Schutzschild, sondern ein Zuhause – etwas, das sie trägt und das zu ihr gehört. In Verbindung mit dem rissigen Körper der Frau entsteht für mich kein Gegensatz, sondern eine leise Übereinstimmung. Der Körperpanzer wirkt nicht mehr starr oder vergangen, sondern bewohnbar. Die Schnecke sagt nicht: „Lege den Panzer ab“, sondern: „Du darfst ihn tragen, solange er dir dient.“ Der Akt wird dadurch noch stiller und existenzieller. Nacktheit bedeutet hier nicht Ausgeliefertsein, sondern bei sich sein – in einem Körper, der Geschichte hat und sich trotzdem weiterbewegt, im eigenen Rhythmus.
Liebe*r Couchgalerie-Besucher*in!
🧩 Resümee: Aktbilder mit KI – ein tastender Weg
Mein Weg zu KI-generierten Aktbildern war nicht geradlinig. Er führte durch Umwege, über Versuch und Irrtum, über Zensurfilter, Verhüllung, Kitsch und stereotype Darstellungen.
Ich musste lernen, wie empfindlich die Systeme auf Nacktheit reagieren – und wie viel es braucht, um Würde, Echtheit und Präsenz durch die Schutzschichten der Algorithmen hindurch sichtbar zu machen.
Nicht jeder Akt, den die KI zeigt, ist auch einer, den ich zeigen möchte.
Und viele der Bilder, die mir wichtig sind, entstanden gerade nicht durch Direktheit, sondern durch symbolische Umwege: über mythische Motive, über Stilmittel wie den expressionistischen Zugriff oder über poetische Szenerien.
In der Arbeit mit KI wurde mir noch einmal bewusster: Der Akt ist keine bloße Form. Er ist ein Ausdruck. Eine Haltung. Und manchmal auch ein Gegengewicht zur Glätte der Maschine.
🌱 Ausblick: Die reife Frau als Bildträgerin
Ich möchte weitermachen.
Mit Bildern, in denen reife Frauen sichtbar werden – jenseits von Jugendwahn und normierter Schönheit. Frauen 55+, die einen Körper haben, der Geschichte trägt. Und die sich nicht ausziehen, um zu gefallen, sondern um bei sich zu sein.
Meine nächsten KI-Experimente werden genau dort ansetzen:
Wo der Körper nicht zur Projektionsfläche wird, sondern zum erzählenden Gegenüber.
Wo Alter kein Makel ist, sondern ein Medium.
Und wo Nacktheit nicht entblößt, sondern ermächtigt.
💬 Und du?
Vielleicht bist du selbst eine Frau 50+, 60+, 70+.
Vielleicht hast du einen Körper, der gelebt hat. Der trägt. Der sich verändert. Der manchmal zweifelt – und trotzdem da ist.
Dann bist du gemeint.
Mit diesen Bildern. Mit diesem Beitrag. Mit dieser Suche.
Ich wünsche mir mehr Bilder von uns.
Nicht retuschiert, nicht geschönt, sondern echt. Würdevoll. Still. Kraftvoll.
Weil du dich nicht erst beweisen musst. Weil du längst jemand bist.
Vielleicht hast du Lust, dich selbst einmal zu zeigen – in Gedanken, in Worten, im Bild.
Oder vielleicht genügt es, dich hier wiederzuerkennen.
Herzlichst, Silke
Hinweis:
Alle gezeigten Bilder wurden mit KI-Bildgeneratoren wie Canva AI, Gemini AI und Comica erstellt. Sie zeigen keine realen Personen, sondern künstlerische Interpretationen.
Der Beitrag versteht sich als persönliche Auseinandersetzung mit Nacktheit, Reife und Sichtbarkeit. Unterstützt bei Struktur, Sprache und Meta-Texten: ChatGPT (OpenAI).
Spannend, was bei der KI so raus kommt und wie sie selbst eingreift. Mal sehen, was da in Zukunft noch alles entsteht 😁
Liebe Christine,
die häufig sehr überraschenden Ergebnisse der KI, das mag ich einfach.
Wenn ich etwas ganz bestimmtes will, dann klappt das eher selten. Braucht halt jeder seinen Spiel-Raum.
Herzliche Grüße
Silke