#8sammeln im März 2026 – Momente statt Dinge

8. März 2026

Lieber Couchgalerie-Besucherin!

Mein letzter #8sammeln-Beitrag liegt schon eine ganze Weile zurück.
Fast wäre ich still aus dieser kleinen Blogtradition ausgestiegen.

#8sammeln wurde von Susanne Wagner ins Leben gerufen – eine Einladung, acht Dinge achtsam mit allen Sinnen zu sammeln: Fundstücke, Beobachtungen, Geräusche, Gerüche, Gedanken oder kleine Momente aus dem Alltag.

Nach meiner letzten Schreibpause fühlt sich der Einstieg heute ein wenig anders an. Vielleicht auch, weil sich mein Blick auf das „Sammeln“ verändert hat. Heute sammle ich keine schönen Dinge am Wegesrand. Heute sammle ich eher Situationen, Gedanken und kleine Begegnungen.

Beim Morgenspaziergang durch unseren Stadtteil liegt wieder einiges auf dem Boden: leere Getränkepäckchen, Verpackungen, achtlos fallen gelassen. Junge Menschen ziehen durch den Stadtteil, trinken unterwegs und lassen ihre Hüllen einfach da liegen, wo sie gerade stehen.

Manchmal ärgert mich das.
Manchmal denke ich: Ich will hier gar nicht achtsam durchgehen. Wegschauen wäre leichter.

Und dann gibt es wieder andere Momente.

Manchmal hebe ich den Müll einfach auf. Danach fühlt es sich tatsächlich besser an. Ein kleiner Fleck weniger Unordnung in der Welt.

Manchmal spreche ich Menschen auch direkt an, wenn ich sehe, wie etwas fallen gelassen wird:
„Könnten Sie das bitte wieder aufheben?“

Die Verblüffung ist oft unbezahlbar.

Manche tun es tatsächlich.
Manche wollen nicht.

Dann sage ich: „Okay, dann mache ich es.“

Das wirkt regelmäßig ziemlich verstörend.
Und ich grinse ein bisschen in mich hinein.

Ich weiß inzwischen auch: Ich bin nicht allein. Manchmal sehe ich, dass andere Menschen hier ebenfalls Müll aufsammeln. Wenn ich das mitbekomme, freue ich mich und sage es ihnen auch.

Vielleicht ist #8sammeln heute also gar nicht nur ein achtsames Sammeln von Dingen.

Vielleicht ist es auch ein Sammeln von Momenten:
Ärger.
Resignation.
Eine kleine Handlung.
Eine überraschende Begegnung.
Ein stilles Einverständnis mit anderen, die ebenfalls aufheben, was liegen bleibt.

Frau hebt beim Morgenspaziergang Müll auf einem Weg im Stadtteil auf, begleitet von einer symbolischen Geierin als Krafttier.

Für das Bild habe ich mir mein Krafttier dazugeholt: die Geierin.
Auch sie lebt davon, das liegen Gebliebene wieder in den Kreislauf zu bringen.

Vielleicht ist #8sammeln genau das:
nicht nur Schönes sammeln –
sondern auch Verantwortung.

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