Behausung – eine Annäherung | Januar 2026: erste Räume
27. Januar 2026
Liebe*r Couchgalerie-Besucher*in!
Ankommen im Jahresthema Behausung
Mit dem neuen Jahr hat sich ein neues Thema gezeigt: Behausung.
Nicht als fertiger Gedanke, eher als Frage. Oder als Raum, den ich vorsichtig betrete.
Der Januar ist fast vorbei, und wie so oft beginnen Dinge bei mir nicht mit klaren Worten, sondern mit Bildern. Erste Bilder. Zögerliche Annäherungen. Noch ohne Anspruch auf Erklärung oder Ordnung. Ich schaue, was sich zeigt, und nehme es ernst genug, es festzuhalten.
Behausung meint für mich im Moment mehr als ein Haus, mehr als Wohnen. Es geht um Orte des Schutzes und der Zumutung, um Innen- und Außenräume, um Zustände, in denen man bleiben kann – und solche, zu denen man lieber Abstand hält. Vielleicht auch um die Frage, wo und wie ich eigentlich untergebracht bin, im Laufe eines Lebens, im Alltag, in mir selbst.
Die folgenden drei Bilder sind meine ersten Schritte in dieses Jahresthema.
Sie stehen nicht für Antworten, sondern für unterschiedliche Arten von Behausung. Äußere und innere. Reale, expressive und surreale. Ich beginne dort, wo es am greifbarsten ist – und gehe dann weiter nach innen.
Wohnhaus – äußere Behausung

Dieses Bild zeigt ein Wohnhaus, das mir einladend erscheint. Ein Kamin als Mittelpunkt, viel Holz, klare Formen und ein großes, gerundetes Fenster mit Blick in die Natur. Draußen Bäume, drinnen Ruhe. Die Einrichtung ist schlicht, nichts wirkt überladen oder dekorativ um seiner selbst willen.
Es ist eine Behausung, die Schutz verspricht, ohne sich abzuschotten. Das Licht kommt herein, der Blick geht nach draußen. Natur und Innenraum stehen nicht im Gegensatz, sondern scheinen miteinander zu korrespondieren. Alles wirkt geerdet, ruhig, bewohnbar.
Solche Räume sprechen weniger den Kopf an als den Körper. Sie vermitteln Wärme, Verlässlichkeit und ein Gefühl von hier kann man bleiben. Keine große Geschichte, keine Dramatisierung – eher ein stilles Einverständnis. Eine äußere Behausung, die dem Nervensystem signalisiert: Du darfst ankommen.
Expressives Haus – innere Behausung im Ausnahmezustand

Das zweite Bild zeigt ebenfalls eine Behausung – aber eine, in der man nicht wohnen möchte. Häuser mit Gesichtern, verdrehte Formen, offene Münder, Fenster wie Augen. Alles ist in Bewegung, nichts kommt zur Ruhe. Dieses Haus wirkt nicht schützend, sondern fordernd, laut, übervoll.
Es ist eine Behausung als Ausdruck eines inneren Zustands. Kein Zuhause, sondern ein Bild für Überforderung, emotionale Verdichtung, vielleicht auch für Phasen, in denen Innenräume keinen Halt mehr geben. So kann sich Behausung anfühlen, wenn zu viel gleichzeitig da ist, wenn Grenzen verschwimmen und Abstand fehlt.
Dieses Haus will man nicht betreten – und schon gar nicht bewohnen. Es braucht Distanz. Und genau diese Distanz ist wichtig. Nicht jede innere Architektur ist dafür gedacht, dass man in ihr bleibt. Manche Bilder zeigen Zustände, die gesehen werden wollen, ohne dass man ihnen ein Zuhause gibt.
Als Kontrast zur äußeren, ruhigen Behausung macht dieses Bild spürbar, dass Behausung nicht automatisch Schutz bedeutet. Sie kann auch bedrängen, überwältigen, zu nah kommen. Auch das gehört zum Thema – als Erfahrung, nicht als Ziel.
Surreale Behausung – bei sich sein

Das dritte Bild zeigt eine surreale Behausung mit einer reifen Frau mit dunklen Haaren und Brille. Sie ist allein – aber nicht einsam. Sie sitzt ruhig und präsent in ihrer Umgebung, bei sich, ohne Rückzug aus der Welt.
Die Behausung um sie herum ist vielschichtig und gewachsen: Wurzeln, Brücken, Bücher, Pflanzen, Licht. Sie wirkt nicht gebaut, sondern entstanden. Übergänge verbinden die einzelnen Bereiche, nichts ist abgeschlossen oder abgetrennt.
Dieses Bild steht für eine Behausung, in der Bei-sich-Sein möglich ist. Nicht als Abgrenzung, sondern als Zustand von innerer Klarheit. Die Frau braucht keine Bewegung nach außen, um Halt zu finden. Die Behausung trägt sie, ohne sie festzuhalten.
Diese Form von Behausung ist diejenige, die ich bevorzugen würde. Sie erlaubt Rückzug, ohne Isolation. Sie hält Komplexität aus, ohne zu überfordern. Sie verbindet Verwurzelung mit Offenheit – eine innere Heimat, in der man bleiben kann.
Liebe*r Couchgalerie-Besucher*in!
Erste Erkenntnisse zum Jahresthema Behausung
Vielleicht kennst du das auch: Behausung ist mehr als ein Ort. Sie beschreibt nicht nur, wo du wohnst, sondern auch, in welchen inneren Räumen du dich aufhältst – freiwillig oder aus Gewohnheit. Nicht jede Behausung ist dafür gedacht, bewohnt zu werden. Manche inneren Räume sind Ausdruck von Überforderung, von zu viel Nähe, zu wenig Abstand. Sie wollen gesehen werden, aber sie brauchen Distanz, nicht Einrichtung.
Äußere Behausung kann beruhigen. Ein Raum, ein Fenster, ein bestimmtes Licht können dem Körper Sicherheit geben, auch wenn innere Prozesse davon unberührt bleiben. Das eine ersetzt das andere nicht – beides wirkt auf unterschiedliche Weise. Innere Behausungen verändern sich mit der Zeit: Was früher Schutz war, kann später zu eng werden. Mit Reife und Erfahrung verschieben sich Bedürfnisse – und damit auch die Räume, in denen man bleiben möchte.
Behausung hat mit Wahl zu tun. Du kannst wahrnehmen, wo du dich aufhältst, wo du nur ausharrst und wo du wirklich bleiben möchtest. Nicht alles lässt sich sofort verändern, aber vieles lässt sich bewusst machen. Bei-sich-Sein ist eine Form von Behausung, die weder Rückzug noch Einsamkeit bedeutet. Es ist ein Zustand von innerer Präsenz, der Verbindung zulässt, ohne sich zu verlieren. Zwischen Schutz und Offenheit liegt ein Raum, der bewohnbar wird – kein Ideal, kein Endzustand, eher ein lebendiger Ort, der sich verändert, verzweigt und weiterwächst.
Innere Behausungen wahrnehmen
Vielleicht magst du beim Lesen kurz innehalten und dich selbst fragen, wo du gerade untergebracht bist – nicht nur äußerlich, sondern auch innen. In welchen Räumen hältst du dich auf? Welche fühlen sich vertraut an, welche eher eng, welche nur noch provisorisch? Ich merke für mich, dass sich innere Behausungen wandeln. Was mich einmal geschützt hat, kann später zu eng werden. Und dieses Wahrnehmen, ohne sofort etwas verändern zu müssen, fühlt sich bereits wie ein erster Schritt an.
Dieses Jahresthema möchte ich nicht abschließen, sondern bewohnen: Schritt für Schritt, Bild für Bild, Gedanke für Gedanke. Wenn du magst, geh ein Stück mit mir – nicht mit Antworten, sondern mit Aufmerksamkeit. Mit Fragen, die Zeit haben dürfen. Und mit der Bereitschaft, Räume neu zu betreten – oder sie hinter sich zu lassen.