Auferstanden, Teil 1: Tierkunst – Tod – Verwandlung
28. August 2025

Liebe*r Couchgalerie-Besucher*in!
⚠️ Triggerwarnung
In der Serie Auferstanden – eine fotografisch-digitale Verwandlung geht es um den Tod kleiner Tiere. Es werden Fotos toter Tiere gezeigt (z. B. erlegt, verendet, überfahren, aus dem Nest gefallen) sowie KI-generierte Bilder, die aus diesen Fotos entstanden sind. Die Bilder sind würdevoll, aber können durch ihre Deutlichkeit emotional herausfordernd sein. Wenn du dich gerade in einer verletzlichen Phase befindest oder der Anblick toter Tiere dich belastet, lies diesen Beitrag bitte nur, wenn du dich stabil fühlst. Bitte entscheide selbst, ob du weiterlesen möchtest.
Ich finde sie auf Wegen, am Straßenrand, unter Büschen, im Garten oder Wald:
kleine tote Tiere – oder nur Teile von ihnen.
Oft nur ein flüchtiger Blick, manchmal ein Innehalten, selten ein Foto.
Diesmal war es anders.
Ich entdeckte ein Stück Wildschweinfell am Rand eines Waldwegs – ohne Körper, ohne Kopf, ohne Form.
Nur noch Haut, Haare, Hülle.
Und ein intensiver, ranziger Geruch, der aus der Schwarte drang: alt, streng, säuerlich.
Ich hielt den Atem an, dann den Moment fest – mit der Kamera.
Und ich spürte: Hier beginnt etwas.
Nicht aus Ekel. Nicht aus Sensationslust. Sondern aus dem tiefen Wunsch, hinzusehen.
Und vielleicht – mit den Mitteln der Kunst – etwas zu verwandeln.
So entstand die erste Idee zur Serie Auferstanden.
Aus einem Kadaver, aus einem Impuls. Und aus einer Frage:
Was, wenn mitten im Verfall etwas Neues entstehen darf?
Das Wildschwein-Fell (Fundort: Waldrand, zwischen Steinen und Sand)
Es war kein totes Tier im üblichen Sinn.
Kein Körper mehr, kein Gesicht. Nur Haut, Fell, Fragment.
Ein Wildschwein, das jemand abgezogen hatte – zurückgelassen, als Hülle.
Der Kadaver war nicht mehr vollständig, aber das Fell sprach noch von Kraft, von Leben, von Wildnis.
Ein strenger, ranziger Geruch hing in der Luft, schwer und unverkennbar.
Er ging vor allem von der Schwarte aus – alt, säuerlich, durchdringend.
Ich hielt kurz den Atem an, bevor ich genauer hinsah.
Dieser Fund hat etwas ausgelöst.
Nicht nur Erschrecken. Auch Staunen.
Und den Gedanken: Was, wenn genau hier – mitten im Zersetzungsprozess – etwas Neues beginnt?
Ich habe das Fell fotografiert. In seiner Zerfallenheit, seiner Rätselhaftigkeit.
Und dann habe ich es zum ersten Mal versucht: eine Rekonstruktion mit KI.
Aus dem leeren, zerfetzten Rest entstand nicht einfach ein Wildschwein.
Es entstanden Wesen.
Manche kräftig und stolz, fast königlich mit aufgerichtetem Blick und wallender Mähne.
Andere klein, verspielt, mit großen Augen – Wesen, die mehr an Waldbewohner aus einem Märchen erinnern als an reale Tiere.
Einige tragen Spuren von Erdigkeit, wirken wie Naturgeister oder tierhafte Kinder aus einem Traum.
Sie alle sind Geschöpfe, geboren aus Fell, Fantasie und digitaler Übersetzung.
Diese Verwandlung war der Anfang.
Die Geburtsstunde der Serie Auferstanden.
Nicht aus Mitleid. Sondern aus Neugier. Und Respekt vor dem, was bleibt, wenn das Leben gegangen ist.
Geboren aus Fell und Fantasie
Aus dem zerfetzten Wildschweinfell wurden Fantasiewesen.
Sie tauchten aus dem KI-Prozess auf wie aus einer anderen Welt: mal niedlich, mal schrullig, mal irritierend beseelt.
Einige lachen, ihre Pfoten in kindlicher Freude hebend. Das ist unerwartet, mein Prompt war ja nur der Wunsch nach einem Tier und ich bin schwer irritiert. Andere blicken direkt aus der Wand – mit klaren Augen, stolzem Haupt. Stimmiger für mich. Alle tragen Spuren des Originals: das borstiges Fell, die Farbstruktur, das Umfeld. Und doch sind sie etwas vollkommen anderes geworden.
Ich habe das als Einladung verstanden:
Wenn schon auferstehen, dann auch weiterträumen und auch gerne fröhlich.
Nicht nur zurück zum Tier – sondern weiter zu einem neuen Wesen.
Diese Bild habe ich zusätzlich bearbeitet: mit verfeinertem Fell, Blumen und Krönchen – ist es ist damit vielleicht mein augenzwinkerndstes Bild.
Ein Tierwesen, das sich nicht versteckt, sondern sagt: Ich bin da. Und ich bin schön.
Nicht mehr Wildschwein. Vielleicht nie eines gewesen. Aber entstanden aus Fell, Fund und Fantasie.
Der Löwe und die Löwenfrau – Eine Begegnung zwischen Welten
Doch der Weg ging weiter.
Die KI hörte nicht bei Wildschweinen auf.
Je länger ich mich auf diesen Prozess einließ, desto eigenständigere Gestalten tauchten auf – fast wie Wesen aus einer Zwischenwelt.
Und dann erschien er:
Ein Löwe, der nicht aus einem Fund entstand, sondern aus einer inneren Bildspur.
Er war nicht „auferstanden“ aus einem konkreten Tier, sondern schien selbst Ursprung zu sein.
Neben ihm: eine Frau.
Mit Fell bekleidet, mit Erde gezeichnet, mit Blicken, die in etwas schauen, das nicht mehr eindeutig ist.
Tier? Mensch? Spiegelbild?
Hülle aus Fell, Gesicht aus Erde, Augen wie aus Licht.
Sie trägt das, was übrig blieb: das Fell, die Stärke, das Erbe.
Ist sie Jägerin? Hüterin? Eine Auferstandene selbst?
Oder einfach ein Mensch, der sich mit dem Tod verbunden hat, um weiter zu leben?
In dieser letzten Szene wird etwas spürbar, das sich nicht mehr in Kategorien fassen lässt.
Tier und Mensch. Leben und Tod. Zersetzung und Schönheit.
Das Projekt begann mit einem Kadaver im Wald.
Und endet (vielleicht) mit einer Löwin, die zurückblickt.
Liebe*r Couchgalerie-Besucher*in!
Was bleibt, wenn das Leben gegangen ist?
Vielleicht nicht der Körper. Vielleicht nicht einmal das Tier.
Aber vielleicht ein Bild. Eine Geste. Ein digitales Wesen, geboren aus Fell und Vorstellungskraft.
Ich habe diesen ersten Fund als Einladung verstanden.
Nicht zur Wiederherstellung, sondern zur Weiterführung.
Nicht zur Imitation des Lebens – sondern zur Imagination neuer Formen.
Dieser Beitrag zeigt den Anfang: das Wildschweinfell und die ersten Wesen, die daraus hervorgingen.
In einem zweiten Beitrag werde ich die weiteren Tiere zeigen:
eine Maus, ein Jungvogel, ein Schmetterling, ein Igel.
Jedes Tier hat seine eigene Geschichte.
Jedes Bild ein anderes Gesicht des Todes – und der Fantasie.
Fortsetzung: Auferstanden, Teil 2: Tierkunst – Tod – Transformation